Michael Roth war bei SPD-Wahlveranstaltung in Wabern zu Gast

Der General punktet

Mittendrin: Der hessische SPD-Generalsekretär Michael Roth (Zweiter von links) mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Edgar Franke (links) sowie Erika und Fritz Strack aus Gensungen. Foto: Rohde

Wabern. Der General ist viel unterwegs – im Wahlkampf, aber auch an diesem Abend. Im Saal der Waberner Mehrzweckhalle lässt er am Mittwoch das Rednerpult links liegen, geht er immer wieder auf und ab, vor der überschaubaren Schar ergrauter, altgedienter Genossen.

Michael Roth (41) gehört, bezogen auf seine Zuhörerschaft, zur Enkelgeneration. Gestenreich und wortgewaltig versucht der Generalsekretär der hessichen SPD diejenigen zu motivieren, die ohnehin zu den Stammwählern seiner Partei gehören dürften.

Mit einer Attacke gegen Ex-Verteidigungsminister von Guttenberg kann er leicht punkten („Zu den bürgerlichen Tugenden gehört, dass man anständig und ehrlich ist“). Auch die Forderung, dass Bildung nicht von der sozialen Herkunft oder vom Geldbeutel der Eltern abhängen dürfe, kommt gut an.

Die Frage der sozialen Gerechtigkeit unterlegt Roth mit immer neuen Beispielen. Er regt sich darüber auf, dass 1,3 Millionen Menschen nicht von ihrer Arbeit leben könnten und noch Leistungen vom Staat in Anspruch nehmen müssten. „Wir dürfen nicht noch die Hungerlöhne der Wirtschaft subventionieren“, sagt der Diplom-Politologe, der aus Heringen stammt.

Der Bundestagsabgeordnete räumt Fehler der SPD ein, als die von 1998 bis 2009 in Regierungsverantwortung war. „Wir haben es nicht hingekriegt, unser Versprechen einzulösen, dass Fortschritt auch mehr soziale Sicherheit bedeutet“, sagt er.

Heute steht hinter dieser Erkenntnis die Forderung, dass es den gleichen Lohn für gleiche Arbeit geben müsse. Nur etwa die Hälfte der jungen Leute habe einen Vollzeitarbeitsvertrag. Das sei ein Bruch mit der sozialen Marktwirtschaft. Zum politischen Strickmuster von Michael Roth gehört auch die Kritik an Steuergeschenke für Atomunternehmen und Hoteliers. Etwa 100 Millionen Euro gingen den hessischen Kommunen auf diese Weise verloren. Roth: „Und das in einer Zeit, wo sich viele Kommunen fragen, wie sie die Löcher in den Straßen reparieren sollen.“

Es sei eine Frechheit, dass die Landesregierung jetzt mit einem Straßenbauprogramm zu glänzen versuche. Den überwiegenden Teil dieses Budgets hätte den Kommunen ohnedies zugestanden.

Respekt fürs Ehrenamt

Respekt und Anerkennung forderte Roth für die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker ein. „Wir übernehmen Verantwortung für unsere Heimatorte, auch in den Vereinen.“

Dass die Wähler am 27. März kumulieren und panaschieren können, hält er für einen Vorteil: „Die Leute wählen die Menschen, die sie kennen und die sie schätzen.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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