20 Jahre Einheit: Fritzlarer Schüler sprachen mit Zeitzeugen aus Ost und West

Der Genosse Mauerhund

Sie bauten eine Mauer aus Pappe, mit Informationen und Bildern beklebt: von links Janika Lohse, Rosalie Diederich, Christian Damm, Dino Kraft, Theresa März, Madeleine Schmidt, Rahman Saeed, Nathalie Beyer und Laura Rößler (KHS und AFS). Foto: Mangold

Fritzlar. Wie denken Schüler über die deutsche Wiedervereinigung? Interessieren sich die Nachgeborenen für den jüngsten Teil der deutschen Geschichte, den sie selbst nicht miterlebt haben? Zum Thema „20 Jahre Deutsche Einheit“ arbeiteten Schüler der Jahrgangsstufe 10 der Anne-Frank-Schule (AFS) und der König-Heinrich-Schule (KHS) aus Fritzlar in Projektgruppen und präsentierten ihre Ergebnisse in der gemeinsamen Mensa beider Schulen.

Die Idee für das Schülerprojekt kam vom CDU-Stadtverband Fritzlar. Anlässlich der Feier des Jahrestages habe man die Jugendlichen mit einbinden wollen, sagte Günter Faupel. Für die Präsentation der Projektergebnisse gab es einen Zuschuss in die Klassenkassen.

In sieben Projekten beschäftigten sich die Arbeitsgruppen mit Themen rund um die deutsche Wiedervereinigung. So sprachen die Schüler mit Zeitzeugen aus Ost- und Westdeutschland über die Wende; wie das Leben vorher und hinterher im Osten war und wie sie heute rückblickend darüber denken. Die Gespräche wurden zu Dokumentarfilmen zusammengestellt.

Eine Gruppe befragte 100 Personen in Fritzlar über ihre Gefühle zum Mauerfall. Die Ergebnisse wurden von den Schülern ausgewertet und waren teilweise überraschend: So gaben sieben Prozent der Befragten an, die Mauer solle wieder errichtet werden, 69 Prozent sprachen sich dafür aus, den Solidaritätszuschlag abzuschaffen. Insgesamt beurteilten 76 Prozent die Wiedervereinigung positiv.

„Eine komplette Welt, geteilt in Ost und West, das ist heute nicht mehr vorstellbar. Ost-West ist für uns kein Unterschied, es ist ein Deutschland.“

Sebastian Lieberum

Eine Analyse von Politikermeinungen kam zu dem Ergebnis, dass mit steigendem Alter die Kritik an der Einheit zunimmt. Das überraschte die Schüler, wie sie sagten, denn eigentlich müssten doch die, die sich die Einheit gewünscht hatten, mit der Wiedervereinigung besonders zufrieden sein.

Bilder mit persönlichen Geschichten von Menschen, die bei Fluchtversuchen aus der DDR gestorben waren, erinnerten an die Maueropfer. Informationen über die wichtigsten Persönlichkeiten der Zeit in Deutschland waren an Stellwänden zusammengetragen worden.

Einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf die Wiedervereinigung gab das Thema „Genosse Mauerhund“, bei dem die Schüler der Frage auf den Grund gegangen waren, was aus den 6500 Hunden, die zur Grenzbewachung gebraucht wurden, nach dem Mauerfall geworden war: 2500 Hunde fanden einen neuen Arbeitsplatz beim Zoll, andere ein neues Zuhause und einige mussten eingeschläfert werden, da sie sich nicht umerziehen ließen.

In Kurzfilmen zeigten die Schüler Ergebnisse und Meinungen zur Veränderung der deutschen Sicherheitspolitik vor und nach dem Mauerfall. Auch die Frage: Ist die Wehrpflicht noch zeitgemäß wurde diskutiert. Zur Frage der Auslandeinsätze der Bundeswehr bezogen die Schüler klar Stellung: Die Bundeswehr solle sich darauf beschränken, Deutschland zu verteidigen und nicht in anderen Ländern den Terror zu bekämpfen.

„Ein Glück, dass es die deutsche Einheit gibt, sonst müssten wir in einem geteilten Deutschland leben und hätten immer Angst vor einem Krieg.“

Denis Martin

Staatssekretär Mark Weinmeister lobte die Schüler für die Projektarbeit: „Das war mehr als beeindruckend“. Es sei unglaublich, mit wie viel Mühe die Schüler Fakten, Informationen und Emotionen zusammengepackt hätten.

Eine tolle Leistung, fand auch Günter Faupel, besonders wenn man bedenke, dass alles in wenigen Wochen aus der Erde gestampft worden sei. Das Vorurteil, Jugendliche seien nicht an diesem Thema interessiert, sei damit widerlegt, meinte er.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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