Nicht enden wollender Applaus

Genuss auf hohem Niveau: 1500 sahen Premiere der Waldbühne mit Robin Hood

Niederelsungen. 1500 Gäste sahen eine perfekte Premiere von Robin Hood auf der Waldbühne Niederelsungen.

Der nicht enden wollende Applaus ist derart stürmisch, als hätten die Theatermacher der Waldbühne Niederlesungen am Samstagabend eine perfekte Vorstellung hingelegt. Haben sie aber nicht, zumindest noch nicht, denn kein einziges Wort ist gesprochen und nicht eine Szene gespielt, als sie sich auf der wohl schönsten Freilichtbühne der Region versammeln, wie sonst nur zum umjubelten Finale.

Ehrenbrief für Henkelmann

Der Beifall gilt nur einem von ihnen: Heinz-Georg Henkelmann. Der frühere Vorsitzende der Spielgemeinschaft freut sich über den Ehrenbrief des Landes Hessen, überreicht von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke: „Heinz ist jemand, der inspiriert und Menschen im Ehrenamt zusammen geführt hat.“ Henkelmann selbst will die Auszeichnungen teilen mit „der großen Theatergemeinschaft“, denn: „Wer hier mitwirkt, dem geht es gut.“

Das dürfen dann auch die 1500 Premierengäste spüren, als Robin Hood und sein Gefolge mit Pfeil und Bogen auf Niederelsungen zielen und den Wolfhager Stadtteil zum Sherwood Forest werden lassen. Der edle Helfer der Armen kommt nach fünf Jahren aus dem heiligen Land zurück, wo er an der Seite von Richard Löwenherz (Henkelmann) gekämpft hat. Seine Familie ermordet, das Land verwüstet. Prinz John (herrlich ungerecht: Johannes Böhle), der Bruder des Königs, regiert mit Härte, sein Scherge, der Sheriff von Nottingham (überzeugend: Axel Götte), lässt das Volk ausbluten.

Der edle Robin (Michael Schneider) schließt sich einer Schar Geächteter an, die er kurz darauf auch anführt, um König Richard aus der Gefangenschaft freizukaufen. In der Burg des Sheriffs trifft er auf seine Jugendliebe Lady Mary (hinreißend: Ann-Kathrin Hamel), entführt sie und nimmt sie mit in den Wald, wo allerlei Abenteuer warten.

Robin Hood auf der Waldbühne Niederelsungen

Auch wenn die in der Person Robin Hoods vorgegebenen sozialkritischen Elemente - den Reichen nehmen, den Armen geben, die Würde des Einzelnen wahren und verteidigen - mehr denn je aktuell sind, will Regisseur und Autor Arnd Röhl mit seiner Inszenierung nicht politisieren, sondern unterhalten. Das gelingt, auch wenn Schneider als Robin Hood zunächst ein wenig trist und zurückhaltend agiert, schnell aber doch zeigt, wie viel Theaterleidenschaft in ihm steckt. Beeindruckend gleitet er durch die Dialoge, überzeugt zudem mit Schwert und Stock, wie seine Mitstreiter auch, allen voran Dieter Wehner als John Little.

Opulente Massenszenen

Hinzu kommen viele Details - eine beeindruckende Kulisse, opulent inszenierte Massenszenen und ein wohl dosierter Humor - mit denen dem spielenden Dorf einmal mehr ein Glanzstück gelungen ist, das Genuss auf ganz hohem Amateurtheaterniveau garantiert und am Ende nach einer perfekten Premiere verdient für nicht enden wollenden Applaus sorgt.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Hoffmann/HNA

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