Gerardo Moreno lebt für den Zirkus, auch wenn nicht mehr so viele Besucher kommen

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Zwischen Himmel und Sägespänen: Gerardo Moreno schwebt bei seinen Auftritten über dem Publikum. Unten, am Boden der Manege, gibt es kein Netz das ihn auffangen könnte – nur Sägespäne.

Gensungen. An dem Tag, als sich alle Augen auf Gerardo Moreno richteten, hatte er nur Augen für den Ball, mit dem er spielte: Mit zwei Jahren feierte er seine Premiere in der Manege, als sei es sein Wohnzimmer. Er spielte mit Bällen, machte den Clown, und das Publikum applaudierte.

Der Circus Moreno hat seine Zelte schon auf dem Festplatz Ederau aufgeschlagen. Gerardo Moreno tritt ab Donnerstag in Gensungen und ab Mittwoch nächster Woche in Spangenberg auf. Heute ist er 19 Jahre alt, kann mit fünf Ringen jonglieren, zwei Ziegen nach seinem Willen tanzen lassen und auf zwei Rädern über das Hochseil fahren. „Er hat den Zirkus im Blut“, sagt seine Mutter, die Zirkusdirektorin, „und das muss er auch.“

Denn der Applaus wird weniger. Oder, wie Gerardo Moreno es sagt: „Die goldenen Zeiten sind vorbei.“ Früher seien die Menschen in den Zirkus gegangen, um zu staunen. Heute staunten sie vor ihren Fernsehern. Die Zirkusfamilie verteilt also Flugblätter, verschickt Rabattkarten, und stellt Plakate an den Straßen auf: „So überleben wir“, sagt der 19-jährige Artist.

Nicht einmal hat Moreno überlegt, eine Ausbildung zu machen. Zum Schreiner, zum Kaufmann oder zum Altenpfleger. „Niemals“, sagt er. Er wollte immer Reisender sein. „Ich bin nirgendwo zuhause – außer in meinem Campingwagen.“ Es ist ein kleiner Wagen, wie ihn Urlauber benutzen.

In jenem Wagen zieht sich Moreno vor dem Auftritt sein Kostüm über. Unter der Paillettenweste schlägt sein Herz dann schneller, er zittert, wenn er an seinen Drahtseilakt denkt. Und dann, vor dem Publikum, vergeht das Lampenfieber: Die Manege ist sein Wohnzimmer, und das Publikum applaudiert. Vorstellungen: Donnerstag und Freitag, jeweils 17 Uhr; Samstag, 15 und 18 Uhr; Sonntag, 11 Uhr.

In der 18-Uhr-Vorstellung am Samstag soll das drei Wochen alte Zirkuspony getauft werden. Die ersten zehn Kinder, die sich an der Kasse melden, dürfen einen Namen vorschlagen. Das Publikum stimmt dann darüber ab. Für Mittwoch und Donnerstag, 3. bis 4. August, schlägt der Zirkus seine Zelte auf dem Festplatz am Schwimmbad in Spangenberg auf. Am Mittwoch beginnen die Vorstellungen um 15 und 18 Uhr, am Donnerstag um 15 Uhr.

Quelle: HNA

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