Gericht: Beerdigungskosten für verurteilten Vater unzumutbar

Kassel/Melsungen. In außergewöhnlichen Härtefällen kann nahen Angehörigen eines Verstorbenen nicht zugemutet werden, die Kosten für dessen behördlich veranlasste Beerdigung zu tragen. Das ergibt sich aus einem Grundsatzurteil, das der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) gefällt hat.

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Konkreter Anlass war ein Streitfall aus Melsungen. Der Sohn eines verurteilten Totschlägers hatte sich dagegen gewehrt, die Kosten für dessen Bestattung tragen zu müssen (HNA berichtete).

Der verstorbene Vater des jungen Mannes hatte 1992 die Mutter umgebracht und dafür eine jahrelange Haftstrafe verbüßt. Der Kläger war damals 13 Jahre alt, sein Bruder 12 Jahre. Der VGH stellte nun fest, das Heranziehen des Klägers zu den Bestattungskosten sei eine grob unbillige Härte und verletzte ihn in seinen Rechten.

Zwar habe sich die Straftat des Vaters nicht unmittelbar gegen den Sohn gerichtet, sondern gegen die Mutter, heißt es in dem Urteil. Die Folgen für den Kläger seien aber in ihrer Intensität und Bedeutung vergleichbar: „Denn durch die Tötung seiner Mutter und die anschließende Verurteilung des Vaters zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe ist dem Kläger die gesamte, ihn schützende familiäre Struktur genommen worden.“

Er und sein Bruder seien für mehrere Jahre Pflegefamilien zugewiesen worden. Auch nach der Haftentlassung habe es keinerlei Kontakt zum Vater mehr gegeben. Wenn die Familienverhältnisse so nachhaltig gestört seien, könne die Heranziehung naher Angehöriger zu Bestattungskosten unverhältnismäßig sein, so der VGH: „Solche besonderen Umstände sind hier gegeben.“

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Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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