35-jähriger Naumburger soll Ex-Freundin aus Eifersucht vergewaltigt haben

Naumburg/Kassel. Die SMS-Botschaft war tränenheischend. „Ich sitze hier und heule Rotz und Wasser“, schrieb der 35-Jährige an seine Ex-Freundin, bat um Vergebung, schwor Liebe und drohte mit Selbstmord. Und warum?

Weil er die Frau kurz zuvor aus Eifersucht geschlagen hatte? Oder weil es doch eine Vergewaltigung gewesen war?

Als die 31-Jährige die Nachricht bekam, saß sie schon bei der Polizei. Und was sie damals erzählte, brachte ihren Verflossenen auf die Anklagebank im Kasseler Landgericht: Seit Dienstag muss sich der Naumburger wegen des Verdachts der Vergewaltigung und Körperverletzung verantworten. Weil er seiner Ex bei der Tat vom November 2011 ein Messer an den Hals gehalten haben soll, drohen ihm mindestens fünf Jahre Gefängnis.

„Erotische Vorliebe“

Doch der Mann leugnet. „Nee“, sagt er, das stimme alles nicht. Einvernehmlich sei es zum Sex gekommen. Und das nicht zum ersten Mal seit der Trennung zwei Monate zuvor. Dass er die Frau mit Lautsprecherkabeln an sein Sofa gebunden hat, sei allein der gemeinsamen erotischen Vorliebe geschuldet gewesen. „Wir haben angefangen, kleine Fesselspielchen zu machen.“ Mit dem von der Polizei sichergestellten Klappmesser habe er die 31-Jährige wieder losgeschnitten. Und mit dem Klebeband habe er sie keinesfalls knebeln, sondern nur seinen Laptop reparieren wollen.

Also gar nichts passiert? Doch, gibt der Angeklagte zu. Irgendwann habe ihm die Frau gesagt, dass sie auch mit seinem besten Freund ins Bett gehe. „Da habe ich einen leichten Abticker gekriegt und ihr ein-, zweimal vor den Kopf geschlagen.“ Mehr nicht. Doch auch das habe er sofort bereut. Deshalb die SMS. An jenem Morgen will er zudem einen wilden Cocktail aus Speed, Tabletten, Kokain und Cannabis im Blut gehabt haben. Vor Gericht ist er nun wieder ganz nüchtern – auch emotional. Unmut über die Fragen des Gerichts sind das einzige Gefühl, das der Angeklagte durchblicken lässt.

Sein mutmaßliches Opfer dagegen ringt um Fassung, kämpft mit den Tränen. „Ich hab erst gedacht, es ist Spaß – bis er mir das Messer an den Hals gehalten hat“, erzählt die 31-Jährige. Wie ausgewechselt sei der Mann gewesen. „Das war überhaupt nicht der, den ich kannte.“ Von Drogeneinfluss aber habe sie, obwohl selbst einschlägig erfahren, nichts bemerkt. Ihr ehemaliger Lebensgefährte habe gedroht, sie aufzuschlitzen, und das Passwort für ihr Handy verlangt. Auf dem er dann die Liebes-SMS von seinem besten Freund an sie gefunden habe. Und dann sei er brutal über sie hergefallen. „Ich hab solche Angst gehabt, dass ich meine Kinder nicht mehr sehe“, sagt die Frau.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

Quelle: HNA

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