Vom Konto des Ex abgehoben

Gericht verurteilte Mutter und Tochter wegen Kreditkartenbetrugs

Treysa. Ein schlechtes Gewissen habe sie von Anfang an gehabt, gestand die junge Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis, die sich in Schwalmstadt wegen Computerbetruges vor Gericht verantworten musste. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren eingestellt.

Die möglichen Folgen ihres Handelns scheinen ihr jedoch zur Tatzeit nicht klar gewesen zu sein. Die 21-Jährige hatte nach dem Auszug ihres ehemaligen Partners an diesen adressierte Briefe geöffnet. So kam sie an eine Kreditkarte mit zugehöriger PIN, die die Bank ihm zugeschickt hatte. In der Folgezeit hob sie daraufhin im Juni an verschiedenen Bankautomaten insgesamt cirka 1300 Euro ab. "Ich dachte mein Exfreund würde einfach zu mir kommen und sein Geld zurückfordern", sagte die Angeklagte. Mit einer Anzeige habe sie nicht gerechnet.

Der Geschädigte, der sich die Belastungen seines Kontos nicht erklären konnte, ging jedoch sofort zur Polizei. Die Auswertung der Überwachungskameras der Banken führte dann auf direktem Wege zur Angeklagten. Und auch zu deren Mutter, die bei einigen der Abhebungen anwesend war.

Mutter war dabei

"Ja, ich war dabei, aber ich bin nicht selbst tätig geworden", räumte die im gleichen Prozess wegen Behilfe zum Computerbetrug angeklagte 48-Jährige ein. Es sei ihr gar nicht bewusst gewesen, dass es sich beim Verhalten ihrer Tochter um eine Straftat handele. Durch ihre bloße Anwesenheit habe sie bereits psychische Beihilfe geleistet und die Tochter in ihrem Tun bestärkt, belehrte sie der Richter. Die Tochter sei zwar volljährig, dennoch sei es in diesem Fall die Aufgabe der Mutter, sie von einem solchen Vorgehen abzuhalten.

Die Jugendgerichtshilfe sprach sich unter Betrachtung aller Umstände für die Anwendung von Jugendstrafrecht bei der Tochter aus. Das Handeln zeuge von Naivität und sei zudem von der Beziehungsstruktur zum ehemaligen Partner geprägt gewesen. Der Richter folgte dieser Empfehlung angesichts der selbstständigen Lebensweise der Frau jedoch nicht. Dennoch kam er ihr und der in Tränen aufgelösten Mutter entgegen.

Als Auflage müssen Tochter und Mutter nun Geldbußen in Höhe von 1800 Euro bzw. 900 Euro zahlen. Diese kommen gemeinnützigen Einrichtungen zugute. Durch eine solche Geldbuße könne das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung im Einzelfall beseitigt werden, erklärte der Richter.

Die unrechtmäßig abgehobenen Beträge hat die reumütige junge Frau bereits im September zurücküberwiesen. Der Beschluss des Gerichts war eine große Erleichterung für sie und ihre Mutter.

Eine Eintragung im Vorstrafenregister wäre für die berufliche Zukunft der bodenständig wirkenden 21-Jährigen möglicherweise folgenschwer gewesen.

Von Selina Merle

Quelle: HNA

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