Gerichtsvollzieher Döring: Pfändung am Karussell

Der Mann mit dem Pfandsiegel: Der kleine Aufkleber, im Volksmund Kuckuck genannt, gehört zum Werkzeug von Gerichtsvollzieher Hilmar Döring, der jetzt in Ruhestand geht. Foto: Dellit

Fritzlar. Der Pferdemarkt in Fritzlar war für Hilmar Döring aus Werkel auch schon mal der Arbeitsplatz. Damals hatte ein Schausteller die Raten für sein Fahrgeschäft nicht bezahlt und Gerichtsvollzieher Döring wurde losgeschickt. Auf dem Pferdemarkt pfändete er die Kasse des Schaustellers, jedenfalls größtenteils, denn: „Das Wechselgeld muss man da lassen.“

Döring kann viele solche Geschichten erzählen, denn er ist 45 Jahre bei der Justiz, davon 35 Jahre als Gerichtsvollzieher. Diese Woche wird er in den Ruhestand verabschiedet.

Die Frau als Schreibkraft

Döring wurde in Kassel ausgebildet und arbeitete für Gerichte in Kassel, Melsungen, Rotenburg, Frankfurt und schließlich Fritzlar. Zu seinem Bezirk gehörten Bad Zwesten, Jesberg sowie Teile von Bad Wildungen und Fritzlar.

Vor allem Versandhäuser, Banken, Versicherungen und Berufsgenossenschaften gehörten zu Dörings Auftraggebern. Die Arbeit habe Freude gemacht, sagt Döring und seine Frau Angela pflichtet ihm bei. Sie weiß, wovon sie redet, denn sie war die Schreibkraft ihres Mannes.

Wobei Schreibkraft die Aufgabe nicht ausreichend beschreibt, denn Angela Döring war auch bei Einsätzen dabei.

So erinnern sich beide an ein Tanzlokal, wo die Kasse gepfändet werden musste. Döring zog los, seine Frau tat so, als sei sei eine Kundin, behielt aber tatsächlich die Kasse im Auge. Als wirklich jemand versuchte, mit dem Geld zu flüchten, passte sie auf. Die Polizisten, die vor der Tür warteten, regelten den Rest.

Angela Döring macht auch weiter, wenn ihr Mann den Ruhestand genießt, jetzt an der Seite von Tochter Dagmar. Die ist der Tradition treu geblieben und Gerichtsvollzieherin geworden.

Im Bett lag eine Tote

Döring erinnert sich auch an dramatische Aufträge. Einmal musste eine Wohnung geräumt werden. Der Schlosser brach die Tür auf, doch die Mieterin blieb im Bett liegen. Es stellte sich heraus, dass sie längst tot war. Drei Tote habe er in seinem Berufsleben gesehen, erzählt Hilmar Döring, zwei davon in Frankfurt. Dort sei die Arbeit härter gewesen, denn auf dem Land gehe es doch gemächlicher zu.

Da reicht es oft schon, wenn der Gerichtsvollzieher seinen Besuch nur ankündigt. Aus Angst, die Nachbarn könnten ihn sehen, zahlen viele Schuldner lieber gleich.

In vielen Fällen können Schuldner mit dem Gerichtsvollzieher auch Ratenzahlung vereinbaren, meist über sechs Monate. Die Dörings haben dafür eine besondere Definition: „Wir raten dann mal, wann sie zahlen.“

Quelle: HNA

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