Häftling und ehemaliger JVA-Mitarbeiter sind wegen versuchter Bestechung angeklagt

Geschäfte hinter Gittern

Ziegenhain/ Marburg. In einer Berufungsverhandlung versuchte gestern das Marburger Landgericht Licht ins Dunkel einer versuchten Bestechung zu bringen, die sich im Ziegenhainer Gefängnis ereignet hatte. Einem der beiden Angeklagten, einem ehemaligen Ziegenhainer Häftling, wurde vorgeworfen, einen Mitarbeiter der dortigen JVA bestochen zu haben. Weil der Angeklagte zur Zeit in der JVA Kassel wegen schweren Raubes den Rest seiner 12-jährigen Haftstrafe verbüßt, wurde er an Händen und Füßen gefesselt vorgeführt.

In erster Instanz war der 53-jährige Häftling für diese Tat vom Amtsgericht Schwalmstadt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verurteilt worden. Der 68-jährige JVA-Mitarbeiter aus Stadtallendorf, der als Mathematiklehrer in der Häftlingsweiterbildung tätig gewesen war, wurde wegen Bestechlichkeit ebenfalls zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt. Diese Strafe war allerdings zur Bewährung ausgesetzt worden.

„Kein Bestechungsversuch“

Das Gericht warf dem Häftling vor, dass er dem Mathematiklehrer 200 Euro für das Einschmuggeln von zwei Handys habe zahlen wollen. Der Häftling gab vor Gericht zu, das Geschäft – aber ohne Bestechungsversuch – veranlasst zu haben. Das Einbringen sei eine reine Gefälligkeit des Mathematiklehrers gewesen, dessen Schüler er vorher war. „Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, dass er jetzt diese Schmach erdulden muss“, sagte der Häftling.

Das Gericht versuchte vor allem die Frage zu klären, ob von dem ehemaligen Mathematiklehrer eine Forderung erhoben wurde oder ob das Einschmuggeln der beiden Geräte im September 2006 reine Gefälligkeit gewesen ist.

Beide Angeklagten hatten seinerzeit nicht gewusst, dass ein anderer Häftling der JVA Schwalmstadt sich dem Landeskriminalsamt als Verbindungsmann zur Verfügung gestellt hatte. Dafür hatte sich der Mann, der nun in Marburg als Zeuge aussagte, Haftvorteile erhofft. Diese Wünsche waren aber nicht in Erfüllung gegangen.

Haarklein erzählte der damalige Verbindungsmann den Ablauf der Handybeschaffung, die er, im LKA-Auftrag, mitbestimmt hatte. Auch nach seinem Eindruck hatte der Mathelehrer die Handys unentgeltlich in die JVA gebracht. „Er ist so ein herzensguter Mensch, der sich auch im Unterricht immer spendabel zeigt“, sagte der Zeuge.

Der Auffassung des ehemaligen Häftlings widersprachen die beiden als Zeugen geladenen LKA Beamten, die ein anderes Bild von den Angeklagten bekommen hatten.

Die Vernehmung der Angeklagten und Zeugen vermittelte auch einen Eindruck von den Verhältnissen innerhalb der JVA. Wie etwa dort verbotenerweise mit Euros gekauft und gehandelt wird, obwohl die Gefangenen kein Bargeld besitzen dürfen. „Dort fließt mehr Geld, als sie alle zusammen verdienen“, behauptete der ehemalige Mathelehrer mit Blick auf Richter, Schöffen und Staatsanwalt.

Dass ein Einschmuggeln von Gegenständen überhaupt möglich gewesen war, wertete der Richter als eine erhebliche Sicherheitslücke der JVA.

Zur Anhörung weiterer Zeugen wurde die Verhandlung auf den 18. Februar vertagt.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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