Geschäftsideen gut beraten: Jürgen Angres löst nach zwölf Jahren den Gründungsmanager Rolf Herter ab 

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Staffelübergabe: Rolf Herter (links) gibt nach zwölf Jahre den ehrenamtlichen Managerposten beim Virtuellen Gründungszentrum in der Schwalm ab. Neuer Ansprechpartner für alle, die sich mit einer Geschäftsidee selbstständig machen wollen, ist Jürgen Angres. Ihm zur Seite steht nach wie vor Tanja Damm von der Stadtverwaltung Schwalmstadt. Foto: Diehl

Treysa. Seit zwölf Jahren besteht das Virtuelle Gründungszentrum in der Schwalm (VGZ). Von Anfang an eng verbunden ist das kostenlose kommunale Angebot für alle, die eine Geschäftsidee haben und sich selbstständig machen wollen, mit Rolf Herter.  

„Meinen Ruhestand hatte ich mir damals eigentlich anders vorgestellt“, sagt der 76-jährige ehemalige Werksleiter der Firma Freudenberg in Treysa.

Der damalige Bürgermeister Wilhelm Kröll war es, der den Maschinenbauer für den Posten des Gründungsmanagers vorsah. Nach einem halben Jahr intensiver Zusammenarbeit folgt nun die Staffelübergabe an Jürgen Angres (69), seinen einstigen Chef bei Freudenberg. Der Wahlschwälmer ist jetzt auch offiziell im Ruhestand und wird neben seiner Tätigkeit als selbstständiger Unternehmensberater die Aufgabe des Gründungsmanagers wie Herter auch ehrenamtlich ausführen.

Bereut hat Herter, der in Mannheim aufgewachsen ist und lange Jahre in der Pfalz gelebt hat, bevor es ihn 1969 aus beruflichen Gründen nach Treysa verschlug, nicht. Oft habe er Langzeitarbeitslose beraten, die mit Mundwinkel nach unten zu ihm gekommen seien. „Bei vielen habe ich einen persönlichen Wandel erlebt, der faszinierend war“, sagt Herter. In den zwölf Jahren ist das VGZ zu einer etablierten Einrichtung geworden.

Die Zahlen sprechen für sich: 480 Frauen und Männer hat Herter beraten. 170 davon haben sich mit ihrer Geschäftsidee selbstständig gemacht und ein eigenes Unternehmen gegründet. „Davon sind 90 Prozent noch existent“, sagt Herter nicht ohne Stolz. Dies sei eine Überlebensquote, die bundesweit nicht erreicht werde. Als Erfolgsrezept sehe er, dass die Gründungen in und um die Schwalm sehr verwurzelt seien, dass die Gründungen keine „unsoliden Startups“ und keine „flüchtigen Ideen“ gewesen seien, sondern dass die Gründer auf solides Handwerk und Dienstleistung setzten.

Herter zählt 40 verschiedene Gründungen, allen voran die Firma Remax in Frielendorf, die mittlerweile 35 Mitarbeiter beschäftige. Aber auch eine Podologin, Hausmeisterservice oder das Altstadthotel gehören dazu. In vielen Fällen habe er Gründungswilligen davon abgeraten, sich selbstständig zu machen: „Ich wollte die Leute davor bewahren, sich in ein Abenteuer zu stürzen und am Ende unglücklicher heraus zu kommen, als sie vorher waren.“

Wie der alte, so wird auch der neue Gründungsmanager im Büro der Stadtverwaltung unterstützt von der hauptamtlichen Mitarbeiterin Tanja Damm. Angres, der viele Jahre in Frankreich gelebt hat und nun Schwalmstadt zu seiner Wahlheimat auserwählt hat, sieht sich vor Herausforderungen als neuer Gründungsmanager in der Schwalm: Mangelnde Infrastruktur und Digitalisierung, demografischer Wandel, „und vor allem die nicht vorhandene Einsicht, dass man etwas tun muss.“

Quelle: HNA

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