Gert Hirchenhain hatte denkwürdige Begegnung mit Marcel Reich-Ranicki

Gert Hirchenhain

Guxhagen/Frankfurt. Es gibt Begegnungen, die man zeitlebens nicht vergisst – ganz gleich, wie kurz sie auch gewesen sein mögen. Der Tod des große Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki ist für Gert Hirchenhain aus Guxhagen der Anlass, von einer dieser unvergesslichen Begegnungen zu berichten.

Hirchenhain besuchte 2005 die Frankfurter Buchmesse – und sah dort aus der Ferne jenen Mann, dem er gerade erst in dessen Rubrik „Fragen Sie Reich-Ranicki“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine Frage zu Georg Büchners Erzählung „Lenz“ gestellt hatte.

„Junger Mann, mit diesem Bart hätte man Sie im Warschauer Ghetto sofort aufgegriffen.“

Hirchenhain fasste sich ein Herz – und sprach Marcel-Reich-Ranicki einfach an, der da gelassen am Stand der FAZ saß.

Als Lohn erhielt er einen Satz zur Begrüßung, den der pensionierte Pädagoge so bestimmt nicht noch einmal hörte: „Junger Mann, mit diesem Bart hätte man Sie im Warschauer Ghetto sofort aufgegriffen.“

Solche Worte sind eine großartige Steilvorlage, um Geschichten zu erzählen. Hirchenhain – damals 57 und damit auch kein ganz junger Mann mehr – packte die Gelegenheit beim Schopf und erzählte Reich-Ranicki die Geschichte seines Bartes, der ihm im Ghetto wohl zum schrecklichen Verhängnis geworden wäre.

Bart ist 45 Jahre alt

Hirchenhain war im Sommer 1968 als 20-Jähriger zusammen mit einer Jugendgruppe in die damalige Tschechoslowakei gereist. Untergebracht waren die Jugendlichen in einer Waldhütte. Kein Strom, kein Wasser, keine sanitären Anlagen. „Damals begann der Bart zu wachsen, weil ich keine vernünftige Möglichkeit hatte, ihn abzunehmen,“ sagt Hirchenhain. Die hätte er in den vergangenen 45 Jahren zwar häufiger gehabt, tatsächlich aber habe er sich seit diesem denkwürdigen Augusttag in der Hütte kein einziges Mal mehr rasiert.

Diese Geschichte nahm MRR interessiert zur Kenntnis und war zufrieden. An Gert Hirchenhains Gesichtsbehaarung hat sich seitdem immer noch nichts geändert. Er trägt seinen Bart weiterhin mit Würde.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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