Paradeplatz: Bauarbeiter fanden am Donnerstag einen alten Gewölbekeller – Experten am Montag vor Ort

Geschichte kommt an den Tag

Alte Stadtansicht: Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 1931 zeigt die Ziegenhainer Festungsanlage mit Paradeplatz und Landgrafenschloss. Die bewaldete Fläche in der Bildmitte kennzeichnet den Kleinen Paradeplatz. Hier wurde bei Bauarbeiten am Donnerstag ein altes Gewölbe entdeckt. Repro: HNA/Quelle: Ziegenhain, Leben auf historischem Boden

Ziegenhain. Bei Bauarbeiten am Kleinen Paradeplatz in Ziegenhain wurde am Donnerstag ein alter Gewölbekeller gefunden. Das bestätigten auf Anfrage der HNA Bürgermeister Wilhelm Kröll und Rainer Nickel vom Freien Institut für Bauforschung aus Marburg, das die Stadt archäologisch bei Bauarbeiten begleitet.

Nach Einschätzung von Bernd Völker vom Arbeitskreis Festung könnte es sich um Teile sehr alter Gebäuden handeln. „Bis zum Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) haben im Bereich des Kleinen Paradeplatz noch Gebäude gestanden“, erklärt Völker.

Er liefert den Hintergrund: Französische Truppen hatten 1758 die Festung Ziegenhain eingenommen. Bei dem Versuch, die Festung zurückzugewinnen, wurden 1761 durch den Beschuss der hessischen Truppen vom Schafhof aus mehr als 40 Häuser der Festung zerstört, darunter auch die auf dem Kleinen Paradeplatz. Erst 1762 rückte die französische Besatzung aus Ziegenhain ab und übergab die Festung friedlich den hessischen Truppen.

Lage wird dokumentiert

Auch die Stadt bestätigt einen möglichen historischen Wert des Sandsteingewölbes. Nach Angaben von Bürgermeister Kröll soll das Gewölbe am Montag von Experten untersucht werden. Dabei werde unter anderem die genaue Beschaffenheit und die Lage dokumentiert, erklärt der historische Bauforscher Rainer Nickel. Seiner Empfehlung nach sollte man sich mit „dem Reinsteigen zurückhalten“. Dokumentiert würden der Inhalt, die Lage und die Ausmaße des Gewölbes.

Nach Möglichkeit sollte die Öffnung nicht dauerhaft verschlossen werden, erklärt der Experte. Denkbar wäre ein Betonrahmen mit einem Deckel, „dann wäre das Gewölbe für alle Zeiten bewahrt.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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