Europäisches Projekt der Erinnerungskisten in Wabern - Senioren zeigen ihre Werke

Geschichte passt in Koffer

Die Geschichte seines Lebens im Reisekoffer: Michael Meinicke erzählte Andrea Stirn von seiner Flucht aus der DDR. Fotos: Mangold

Wabern. „Es gibt nur eine Zukunft mit geschichtlicher Vergangenheit“, sagte Edith Itter aus Wabern. Ohne Vergangenheit könne es keine Zukunft geben und daher seien ihr die Bewahrung und die Erinnerung der Vergangenheit wichtig. Sie baute eine der zehn Erinnerungskisten, die im Rahmen eines Projektes des Seniorenclubs Wabern im historischen Empfangsgebäude des Waberner Bahnhofs ausgestellt wurden.

In einer Munitionskiste hat die 61-Jährige die Küche ihrer Großmutter liebevoll in Miniatur nachgebaut, an der Seite steht eine Blumenvase, die ein besonderes Erinnerungsstück darstellt: Der Großvater gravierte während seiner Kriegsgefangenschaft in Polen eine Munitionshülse für seine Tochter zu ihrem 13. Geburtstag. „Ich fand die Vase als Kind immer hässlich, bis ich die Geschichte dazu hörte- dann hat sie für mich einen Wert bekommen“.

Hinter allen Erinnerungskisten steht eine persönliche Geschichte, die Kiste zwingt zur Auswahl der wichtigsten Ereignisse, die künstlerische Zusammenstellung weckt die Neugierde und nimmt den Betrachter mit auf die Reise in die Vergangenheit. Das gibt Anlass zu Gesprächen mit den Kistenbauern, über zurückliegende Ereignisse, damit verbundene Gefühle und letztlich über Identität.

Vielleicht ist das eines der Erfolgsgeheimnisse der Erinnerungskisten, die als Europäisches Projekt vor acht Jahren in Kassel mit zehn Objekten gestartet sind und dann in sieben Ländern Europas ausgestellt wurden. „Überall zogen die Kisten fasziniertes Publikum an“, erinnerte sich Angelika Trilling vom Referat für Altenhilfe in Kassel, Partner des EU-Projekts.

Auch in Wabern war die Ausstellung gut besucht, regten die Kisten viele Gespräche zwischen den Besuchern und den Kistenbauern an. Michael Meinicke gestaltete einen Reisekoffer als Erinnerungskiste, sie beinhaltet die Geschichte seiner Flucht aus der DDR.

Er sei dankbar, dass Menschen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration aus Wabern bereit dazu waren, ihre Erinnerungen in Kisten zu packen und sie so für andere begreifbar zu machen und zu erhalten, sagte Bürgermeister Günter Jung bei der Ausstellungseröffnung. Hildegard Weiszenburger, Projektleiterin der Arbeitsgruppe, ermutigte zur Fortführung des Projektes. Das Gestalten von Erinnerungskisten beinhalte Bereicherung und Erfüllung der Biografie-Arbeit. Sie bedankte sich bei allen ehrenamtlichen Mitarbeitern und bei den Sponsoren.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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