Ausstellung „Das verschwundene Sudetenland“ ist in der Kreissparkasse zu sehen

Die Geschichte verstehen

Erläuterten die Ausstellung und standen Rede und Antwort: Hendrik Spieker und Marlene Ott von der Bürgerinitiative Antikomplex waren aus Prag in die Schwalm gekommen. Fotos:  Rose

Ziegenhain. „Das verschwundene Sudetenland“ – so heißt eine Ausstellung, die am Donnerstagabend in der Kreissparkasse in Ziegenhain eröffnet wurde. Auf Initiative von Marlene und Horst W. Gömpel, die aktuell an ihrem Buch „Angekommen“ arbeiten, sind die Aufsteller in den kommenden Wochen in der Schalterhalle zu sehen.

Die Ausstellung wurde 2002 von der Bürgerinitiative Antikomplex konzipiert und zusammen gestellt. Sie ist der tschechische Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung der Zwangsaussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach 1945.

Mehr als 100 Menschen waren gekommen, um mehr über das Thema zu erfahren, Musik kam von Christian Gömpel. Marlene Ott (19) und Hendrik Spieker (28) – beide absolvieren ein Freiwilliges Europäisches Jahr bei Antikomplex (siehe Artikel rechts) – hatten die Ausstellung aus Prag in die Schwalm gebracht. „Entstanden ist sie 2002 in einem Schülerprojekt“, erklärte Spieker. Seitdem wandern die Infotafeln durch Tschechien, Deutschland, Österreich und Polen. Ziel der Ausstellung sei es, Schüler mit Quellentexten vertraut, aber auch, Geschichte erfahrbar zu machen. „Im Geschichtsunterricht sind die Sudetendeutschen kein Thema“, sagte Marlene Ott. „Das verschwundene Sudetenland“ zeige nüchtern die Folgen eines nahezu kompletten Bevölkerungsaustausches nach dem Zweiten Weltkrieg. „Und sie macht deutlich, dass es für alle Beteiligten ein Verlust war“, so Spieker. Die Ausstellung versuche, die alten politischen Debatten zu umgehen und widme sich verstärkt der Frage, was eigentlich alles verloren gegangen sei und welche Spuren heute noch davon zeugten.

„Ein Dialog“

Konzeptionell arbeitet die Schau mit Gegenüberstellungen von historischen und aktuellen Fotos, die die Folgen der Zwangsaussiedlung sichtbar machen. „Daraus soll bei den Betrachtern ein Dialog entstehen“, sagte Ott. Der Thematik widmet sich auch das Ehepaar Gömpel aus Treysa. 103 Zeitzeugen kommen in ihrem Buch zu Wort.

Marlene Gömpel wurde in der Ausstellung der „Prototyp“ des gebundenenen Exemplares überreicht.

Horst W. Gömpel begrüßte viele „Landsleute“. „Über die Geschichte ist ausnahmslos alles erforscht, nicht aber, wie es wirklich gegangen ist“, sagte der Treysaer. Dokumentiert sei das unter anderem auf 200 Fotos: „53 haben wir selbst in Tschechien gemacht.“

In den Beruflichen Schulen

Um jungen Leuten das Thema näher zu bringen, werde die Ausstellung im Anschluss noch in den Beruflichen Schulen zu sehen sein.

Hendrik Spieker fand für die Aufarbeitung diese Worte: „Es geht nicht darum, Schuldige zu finden, sondern die Vertreibung ins Bewusstsein zu rücken.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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