Aktivisten warteten stundenlang, bis der Zug mit den Brennelementen kam

Gesicht im Dreck gegen Müll

Nächtlicher Protest: Bei Altmorschen demonstrierten die Atomgegner. Foto: Epler

Schwalm-Eder. Das Dröhnen der Rotoren kommt näher. Auch wenn der Hubschrauber wegen der Wolken nicht zu sehen ist, bricht Hektik aus. Rund 50 Aktivisten sind in den frühen Morgenstunden des Sonntages im freien Gelände zwischen Altmorschen und Binsförth unterwegs. Sie wollen den Brennelemente-Transport nach Gorleben blockieren.

Eine Aktivistin brüllt: „Hinlegen und Gesicht in den Dreck!“ Die Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras der Polizei können die Atommüllgegner dann nur schwer erfassen. Denn auf der Wiese bietet ihnen kein Baum Schutz.

Gegen zwei Uhr erreichen die meist jüngeren Frauen und Männer die Regionalbahnstrecke hinter Altmorschen. Sie setzen sich auf die Gleise und warten. Und frieren. Und irgendwann glaubt keiner mehr daran, dass der Zug mit den Castor-Behältern tatsächlich kommt. „Er hat bestimmt eine andere Route genommen, sonst müsste längst Polizei zu sehen sein“, sagt einer.

Der Zug steht zu dieser Zeit in Bebra, es gibt kein Indiz, dass er seine Fahrt bald fortsetzt. Dann die Information: „Er rollt.“ Und zwar genau auf Altmorschen zu. Stundenlang hatten die Aktivisten versucht unauffällig zu bleiben, jetzt packen sie Taschenlampen, Tröten und ein euphorisches Gebrüll aus, per Handy informieren sie die Verantwortlichen bei der Bahn.

Irgendwann brechen Zugscheinwerfer die Dunkelheit auf, ein kleiner Teil der Gruppe geht mit einem Plakat auf den Schienen dem herannahenden Zug entgegen. Das Gros wartet und begrüßt die Bundespolizisten, die aus Personenwaggons steigen, hinter denen die weißen Castorbehälter angehängt sind. Die Beamten werden in den nächsten zwei Stunden dem Spott der Demonstranten ausgesetzt sein, den sie im Schutz der Nacht über den matschigen Acker jagen. „Wir haben noch ein paar, derer wir nicht habhaft werden“, funkt ein Polizisten an die Zentrale.

Die, die sie kriegen, müssen ihre Ausweise abgeben, sie werden fotografiert. Um halb sechs ist alles vorbei. Der Castor ist mit Schrittgeschwindigkeit unter den Kletterern hindurch gefahren.

Quelle: HNA

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