„Überlebende Roma“: Gedenkstätte und Diakonisches Werk holen Fotoausstellung nach Ziegenhain

Gesichtern Würde zurück geben

Besonderes Thema: Karin Brandes (rechts) von der Gedenkstätte Trutzhain und Silvia Scheffer vom Diakonischen Werk des Kreises haben die Ausstellung nach Ziegenhain geholt. Foto: Rose

Trutzhain/Ziegenhain. Es sind Fotos, die den Menschen ein Stück ihrer Würde zurück geben. Fotos, die den Alltag spiegeln ohne ihn zu romantisieren. Die Rede ist von den Bildern der Ausstellung „Bedrängte Existenz. Überlebende Roma des NS-Terrors in der Ukraine“ der Stiftung EVZ, die ab 24. September (siehe Stichwort) im Ziegenhainer Rathaus zu sehen sein wird. In die Schwalm geholt haben sie Silvia Scheffer vom Diakonischen Werk Schwalm-Eder und Karin Brandes von der Gedenkstätte Trutzhain. Dazu haben die Frauen weitere Veranstaltungen, die sich dem Thema Ausgrenzung und Diskriminierung widmen, geplant.

Die Fotoausstellung rückt in der Ukraine lebende Roma in den Fokus, die das NS-Regime überlebt haben. „In der Ukraine sind sie Außenseiter, sie haben kaum Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und staatlichen Leistungen“, erklärt Brandes. Zudem würden die Roma häufig Opfer von staatlicher Willkür oder Übergriffen ihrer Nachbarn, verdeutlicht Scheffer, die im Kreis unter anderem für Flüchtlingsberatung zuständig ist.

Die Fotos zeigten in eindrucksvoller Weise, wie die Menschen ihr Leben meisterten. Das Thema „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ sei vor dem Hintergrund einer gerade veröffentlichten Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zum Antiziganismus aktueller denn je. Aus ihr ging hervor, dass jeder dritte Deutsche keine Roma als Nachbarn haben will.

Stereotypen sind vorhanden

„Die Ausgrenzung von Sinti und Roma ist nicht nur in Deutschland, sondern auch im Kreis stark ausgeprägt“, sagt Scheffer. „Das zeigt, dass Stereotypen heute noch vorhanden sind“, erklärt Brandes. Die Fotografien von Birgit Meixner – die unter anderem für die „Zeit“ arbeitet – zeigten die „schwierigen Lebensumstände in einer wahrenden Form“. Dr. Udo Engbring-Romang gehe in seinem Vortrag auch auf die Verfolgung der Sinti und Roma im hessischen Raum und der Schwalm ein, erläuterte Brandes.

Der Marburger Politologe und Historiker sei Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Antiziganismusforschung. In einer weiteren Veranstaltung lese Dotschy Reinhardt aus ihrem aktuellen Buch. Die Sinteza, die als Jazzsängerin und Autorin tätig ist, werde auch erzählen, wie ihr Diskriminierung tagtäglich begegne.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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