"Kommen gern zurück"

Gesundheit Nordhessen kündigt Vertrag mit Beleghebammen

Wollen, aber dürfen keine Geburtshilfe leisten: (von links) Vera Klaus , Monika Machmur und Sandra Werner. Am Mittwoch erhielten sie ihre Kündigungen. Foto: Thon

Wolfhagen. Alle Hebammen an der Kreisklinik Wolfhagen sind entrüstet. Zu keinem Zeitpunkt hätten sie die Arbeit auf der Geburtshilfe einstellen wollen. Die Aussage Dr. Gerhard Sontheimers, wonach die Hebammen entschieden hätten, keine Entbindungen mehr betreuen zu wollen, sei völlig falsch.

Stattdessen haben die Frauen nun am Mittwoch von Bernd Tilenius, Geschäftsführer der Kreiskliniken, ihre Kündigungen erhalten. Ohne Angabe von Gründen wurde der Vertrag mit den Beleghebammen zum 31. März gekündigt.

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Vor etwa zwei Wochen hätten sie mit Tilenius über die erneut steigende Haftpflichtversicherung reden wollen, sagt Hebamme Sandra Werner. Dabei sei es um die Frage gegangen, ob sie von der Klinik mit einem Zuschuss würden rechnen können. Die Antwort, die sie und ihre Kollegin allerdings erhielten, habe sie umgehauen. „Wir sollen uns schon mal nach einer beruflichen Alternative umsehen“, fasst Werner Tilenius’ Worte zusammen.

Seit der Zusammenlegung der beiden Stationen hätten sich nicht nur die Arbeitsbedingungen in der Geburtshilfe drastisch verschlechtert. Neben fehlenden Kinderkrankenschwestern und Schwestern, die in der Kinderpflege erfahren seien, mehrten sich auch die Klagen von Frauen, die ihr Kind dort in den vergangenen Monaten zur Welt gebracht hätten. Nach einer Geburt sei es nun mal so, dass sich Frauen nicht besonders wohl und schön fühlten, sagt Hebamme Monika Machmur. „Die wollen einfach keine fremden Männer sehen.“ Sich in diesem Zustand die Station mit den Männern aus der Urologie zu teilen, sei alles andere als angenehm. „Eine Frau sagte mir jetzt, sie sei froh, dass sie ihr Kind schon habe“, so Sandra Werner.

Sie wüssten von mindestens zwei Kinderkrankenschwestern, die einen Job suchten. Allerdings wollten sie unter den an der Klinik in Wolfhagen herrschenden Bedingungen nicht antreten, sagt Hebamme Vera Klaus. Nachdem die Geburtshilfe nun geschlossen werden soll, haben zwei Hebammen angekündigt, mit ihren Schwangeren an die Koch-Klinik und das Klinikum in Kassel gehen zu wollen. „Wenn sich an der Situation in Wolfhagen wieder etwas ändern sollte, kommen wir gerne zurück“, sagt Machmur.

Die Hebammenpraxis Juno werde unabhängig von der Schließung der Geburtshilfe weiter bestehen bleiben. Schwangere und Wöchnerinnen würden weiterhin von den Frauen betreut. Es werden Geburtshilfe- und Rückbildungskurse angeboten. „Wir machen alles weiter, nur eben keine Geburtshilfe“, sagt Sandra Werner. Info: Hebammenpraxis Juno, Am kleinen Ofenberg 1, Wolfhagen. Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Samstag: 9 bis 11.30 und nach Absprache, Telefon: 05692/40720.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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