Kabarettist Christoph Sieber zeigte in Edermünde die vielen Facetten des Glücks

Die Gier ist der größte Antrieb

Edermünde. „Was uns wirklich antreibt, ist die Gier“, sinnierte Kabarettist Christoph Sieber und schwenkte eine selbstgebastelte Einkaufstüte mit dem Schriftzug „Lidi“ - einer Kombination aus den Namen zweier Discounter.

Das Programm des Kabarettisten, der auf Einladung der Gemeinde und Kulturinitiative Edermünde im Dorfgemeinschaftshaus Holzhausen auftrat, drehte sich ums Thema Glück.

Dazu zählt auch das Einkaufen: Schnäppchenjäger erkenne man an den 13 Backmischungen für Zitronenkuchen im Schrank oder am lebenslangen Glühbirnenvorrat im Keller, war sich Sieber sicher. Dazu gehörten auch Menschen, die mit einem Puls von 220 im Ikea-Restaurant säßen, weil nach der ersten bezahlten Tasse Kaffee alle weiteren umsonst sind.

Gefühle gibt es gratis

Sieber gelang es, Unterhaltung und Tiefgang zu verbinden. Zwischen Pantomime, Tanz, Gesang und Witzestakkato steckten tiefgründige Kommentare zur Politik und ein kritischer Blick auf die Gesellschaft. „Das wirklich Wichtige im Leben ist gratis – die Gefühle“, sagte er.

Gefühle wie die Wut eben. Denn die gebe es leider nur noch selten. Die Bezeichnung „Wutbürger“ sei nur geprägt worden, um den Menschen und seinen Zorn in Begriffen wie Wutbürger klein zu machen.

Schon bei Kindern werde die Wut unterdrückt. Dabei müsse man doch jedes Kind, dass im Supermarkt kein Überraschungs-Ei bekommen habe und sich deshalb mit einem Wutkrampf am Boden wälze, eigentlich immer anfeuern. Er forderte das Publikum auf, mit ihm zusammen die angestaute Wut in einem lauten Schrei rauszulassen. Auch über das Fernsehen machte sich Sieber lustig. Er parodierte immer wieder kehrenden Gäste der Talkshows, imitierte zum Vergnügen des Publikums Persönlichkeiten aus der Politik und scherzte über den Wetterbericht, der inzwischen oft 15 Minuten dauere und viele Unsinnigkeiten verbreite: „Fünf Zentimeter Neuschnee auf dem Kahlen Asten – ja, wer wohnt denn da? Niemand, deswegen heißt er doch Kahler Asten!“ Das Publikum hatte viel zu lachen. Manche kannten Sieber schon und waren extra nach Holzhausen gekommen, um ihn erneut zu erleben.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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