Filmemacher Klaus Stern stellte Dokumentation über Karriere von Mehmet Göker vor

Gier trifft Größenwahn

Heimspiel: Der gebürtige Schwälmer Klaus Stern (links) wurde vom Treysaer Kinobetreiber Peter Unger und den Publikum herzlich empfangen. Foto: Rose

Treysa. Gebetsmühlenartig wiederholt Mehmet Göker seine Parolen. Laut und mit agressiver Körpersprache redet er auf seine Mitarbeiter ein. Worte wie Ohrfeigen. Schnitt. Über die Leinwand flimmert ein Firmenvideo. Göker kniet vor einem seiner erfolgreichsten Mitarbeiter nieder. Fragt: „Willst du ein Leben lang mit diesem Unternehmen, mit meinem Fleisch und Blut, verbunden sein?“

Als sichtbares Zeichen überreicht Göker einen Ring – mit dem Firmenlogo MEG. Die Szenen stammen aus dem Dokumentarfilm „Versicherungsvertreter – Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker“, den der Kasseler Filmemacher und gebürtige Schwälmer Klaus Stern am Donnerstag im Burg-Theater Treysa vorstellte. Fünf Jahre lang hat Stern den Versicherungsvermittler begleitet – in 80 Minuten zeigt er seinen kometenhaften Aufstieg und seine spektakuläre Firmenpleite.

Zuerst in der Schwalm

Das Kinopublikum konnte sich indes glücklich schätzen – „zuerst zeige ich den Film in der Schwalm und nächste Woche auf der Berlinale“, erklärte Stern.

Die Dokumentation ist in der Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis. Die Geschichte über Mehmet Göker ist eine Geschichte über Gier und Größenwahnsinn: „Genau das war es, was mich gereizt hat“, sagte Stern. „Porsche, Parties, Provisionen“ – so schnell wie Göker zum Vorzeigeunternehmer avancierte, so rasant geriet er mit seinem totalitären Führungsstil in die Negativschlagzeilen. Ehemalige Mitarbeiter sprechen von Gehirnwäsche, von permanenter Kontrolle, Überwachung und Drohungen.

Göker lässt sich ein Tattoo mit dem Firmenlogo aufs Handgelenk stechen – verlangt das auch von seinen engsten Mitarbeitern. „Gier frisst Hirn – dieser Spruch passt zu einhundert Prozent auf Göker“, erzählte Stern. Viel Überzeugungsarbeit, ihn begleiten zu dürfen, habe es nicht gebraucht. „Ich habe ihm erklärt, dass er nur gewinnen kann – jetzt, wo er in der Öffentlichkeit sowieso schlecht da steht.“ Es sei viel Geduld nötig gewesen. „Von sechs verabredeten Dreh-Terminen hat er mich fünf Mal versetzt“, erzählt Stern.

Letztlich zeichnet die Dokumentation auch ein deutliches Bild, inwieweit Menschen beeinflussbar sind: „Jedes totalitäre System lebt von Unterwerfung“, erklärt der Filmemacher. Zoran Zeljko, ehemaliger Profi-Torwart und Mitarbeiter, sagt über Göker: „Die Firma war eine Sekte und er der Guru.“ Aus Sterns Sicht hat Göker – gegen den nach wie vor ermittelt wird – über das deutsche Rechtssystem triumphiert. Er verkauft von der Türkei aus weiterhin private Krankenversicherungen – in der Firma seiner Mutter.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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