Hochlandpraxis wird zum Dauerthema

Gilserberger Hausärzte sollen erneut für Hausbesuche zahlen

Gilserberg. Die Hochlandpraxis Gilserberg kommt nicht zur Ruhe. Marei Schöller und Nils Wagner-Praus, die die Arztpraxis gemeinsam führen, müssen einen hohen Regress bezahlen.

Weil sie im Zeitraum von2012 bis 2014 zu viele Hausbesuche gemacht haben sollen (HNA berichtete). Sie müssen ihr Honorar, einen hohen fünfstelligen Betrag, teilweise zurückzahlen, der Fall sorgt bundesweit für Aufsehen.

Bereits 2000 und 2003 war die Praxis in eine Prüfung geraten. Der damalige Prüfarzt habe seinerzeit verstanden, wie sich die Situation der Praxis darstelle und die Arbeit der beiden Ärzte „wohlwollend anerkannt“. Der jetzige Prüfarzt beurteile die Lage offensichtlich anders, sagt Schöller.

Und es geht weiter: Die Hochlandpraxis hat schon Post für die Jahre 2015 und 2016 erhalten, wonach erneut eine Prüfung ansteht. „Wir haben unsere Hausbesuche bereits um mehr als die Hälfte reduziert“, sagt Schöller. Demnach müsste die Hausbesuchszahl von anderen Kollegen noch einmal zurückgegangen sein. Ansonsten könne sie sich nicht erklären, wieso schon wieder Prüfungen ins Haus stehen.

Und den Vergleich mit Stadtärzten, die mit ihrer geringen Anzahl Hausbesuche den Durchschnitt senkten, hält Schöller für „nicht rechtens“. Ihrer Meinung nach braucht es eine Gesetzesänderung, auch damit die Kassenärztliche Vereinigung Hausärzte nicht dauernd mit Regressforderungen überziehen. Die „wanz“-Kriterien (wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig) seien „Totschlagargumente“, bei denen Ärzte in Prüfungen „immer den Kürzeren ziehen“ würden, sagt die Ärztin.

Unterstützt werden die beiden Mediziner jetzt durch engagierte Gilserberger, die die Regressforderungen nicht nachvollziehen können. Sie appellieren mit einem Schreiben und einer Unterschriftenliste an die Kassenärztliche Vereinigung. 

Hintergrund: KV verweist auf Gesetz

Die Kassenärztliche Vereinigung verweist für das Rückzahlungsverfahren auf gesetzliche Vorgaben aus Berlin. Und die müsse jeder einhalten – auch die Ärzte in der Hochlandpraxis, so ein Sprecher. Regressforderungen wie in diesem Fall seien aber die Ausnahme. Rund 12 000 Ärzte gebe es in Hessen – bei rund 200 habe man Honorare zurückverlangen müssen. 

Wie oft ein Hausarzt zum Hausbesuch kommen darf, ermittelt eine unabhängige Prüfstelle. Dabei würden Werte von Arztpraxen aus ganz Hessen verglichen und ein Mittelwert errechnet. Liegen Praxen weit über dem Landesdurchschnittswert, müssen sie zu viel kassierte Honorare zurückzahlen.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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