Für den Glauben öffnen

Pfarrer Michael Schümers blickt auf zehnjährige Amtszeit zurück

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Lebt und arbeitet seit zehn Jahren in Landefeld: Pfarrer Michael Schümers mit seiner Frau Merike Schümers-Paas und seinen Töchtern (von links) Marion-Eliisa, Marie-Luise, Maret-Helena und Mirjam-Kristiin.

Spangenberg. Den Gottesdienst auf die Terrasse eines Gemeindemitglieds und die Taufe an die Lande verlegen. Das sind nur zwei Ideen, die Pfarrer Michael Schümers in seinen zehn Jahren als Pfarrer in Landefeld umgesetzt hat, um Glauben mit seinen Gemeindemitgliedern zu leben.

Etwa 140 Mitglieder zählt seine Gemeinde in Landefeld, 560 in Spangenberg, wo er seit 2010 einen Teil der Kirchengemeinde übernommen hat. Die Tendenz ist abnehmend. „Aber wir wollen zuversichtlich kleiner werden“, sagt Schümers. Gegen den demografischen Wandel könne man nichts machen, aber man könne weiterhin Gott, Kirche und Glauben in das Leben der Menschen hineintragen.

Über den Tellerrand schauen

Dazu schaue er gerne über den Tellerrand und bringe neue Ideen ein. Herausgekommen sind beispielsweise jährliche Vater-Kind-Freizeiten, Gottesdienstfeiern gemeinsam mit anderen Gemeinden und Glaubenskurse, mit denen er Erwachsene in der Region wieder an den Glauben heranführen will. „Ich möchte den Menschen zeigen: ,Seht doch, gemeinsam kriegen wir Vieles hin.‘ Man muss die Dinge nur selbst angehen“, erläutert der 42-Jährige.

So wie die Gottesdienstfeier auf der Terrasse eines Gemeindemitglieds. „Es handelte sich dabei um einen älteren Herren, der nicht mehr in die Kirche kommen konnte“, erinnert sich Schümers. „Da haben wir kurzerhand die Kirche zu ihm nach Hause gebracht.“

Im Jahr 2003 kam Schümers mit seiner Frau von Wuppertal nach Landefeld. Seither betreut er die Gemeinde und ihr Estland-Förderprojekt. Mit Estland verbindet ihn viel. In seiner Studienzeit reiste er als Geldbote erstmals dort hin, mit 11 000 D-Mark für eine estnische Kirchengemeinde im Gepäck. Später hat er im estnischen Predigerseminar ein Auslandsvikariat absolviert und dort seine Frau kennengelernt, die als Übersetzerin des Seminarleiters tätig war. „Da habe ich mein Herz an Estland verloren“, schwärmt der Theologe.

Schümers und seine Frau, die ebenfalls Theologin ist, engagieren sich bis heute für die estnisch evangelisch-lutherische Kirche. Merike Schümers-Paas war jahrelang Pröpstin für estnische Gemeinden in Deutschland. Im Jahr 2009 übernahm ihr Mann das Amt.

Da zu sein für die Menschen, sich Zeit für sie zu nehmen und genau hinzuschauen, das sei die Aufgabe der Kirche, sagt der Pfarrer. Bei einem Brand in Spangenberg beispielsweise sei er auf eine asylsuchende Familie und deren prekäre Lebensumstände aufmerksam geworden. „Da müssen wir als Kirche ran“, sagt er.

Die Frage, der sich Kirche in Zukunft stellen müsse, sei, wie sie Menschen zum Glauben einladen könne. „Wir müssen Formen finden, die zukunftsfähig sind und Vielfältigkeit entwickeln“, appelliert Schümers an seine Kollegen. Für seine Gemeinde wünscht er sich, dass die Partnerschaft mit Estland weiter wächst. Außerdem möchte er neue Akzente setzen, um möglichst viele Menschen für den Glauben zu öffnen. Denn: „Glaube allein reicht nicht aus“, sagt er. „Er braucht Gemeinschaft, die ihn trägt.“

Von Nicole Schippers

Quelle: HNA

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