Glocken in Felsberg-Böddiger schweigen - Schwere Schäden am Gotteshaus

Klangschale statt Glockenklang: Erika Minhöfer, seit fast 25 Jahren Küsterin, stimmt jeden Sonntag mit einem Musikinstrument aus Asien auf den Gottesdienst in Böddiger ein. Die Kirche muss dringend saniert werden. Fotos: Schaake

Böddiger. Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen ohne Geläut: In Böddiger schweigen die drei Glocken der evangelischen Friedenskirche. Schwere Schäden an dem 1799 vollendeten Gebäude stellen die Verantwortlichen vor eine große Aufgabe.

Das Gotteshaus aus Sandstein muss dringend saniert werden. Noch ist die Finanzierung offen.

Schon seit über zwei Jahren durfte wegen der Risse im Gemäuer nur noch eine der drei Glocken erklingen. Nach Ostern entschieden die Bausachverständigen angesichts der zunehmenden Schäden, dass gar nicht mehr geläutet werden darf. Die vom Geläut ausgehenden Schwingungen sind viel zu gefährlich für Turm und Kirchenschiff. Kurz vor der Konfirmation wurde in die beiden Fenster neben der Kanzel eine Notsicherung eingebaut. „Über der Orgel mussten wir in Windeseile einen Baldachin errichten“, erzählt Küsterin Erika Minhöfer. Putz war im Sommer von der Decke neben die Orgel gefallen. Um das Instrument zu schützen, waren weitere Notsicherungen erforderlich.

„Wir hoffen sehr, dass die Sanierung im neuen Jahr beginnen kann.“

„Auf meinem Tisch liegt ein unvollendeter Akt“, sagt der neue Pfarrer Ernst-Friedrich Schluckebier zu einer der vielen Aufgaben, die er übernommen hat. Die Kosten für die Sanierung der Friedenskirche werden nach seinen Angaben auf etwa eine halbe Million Euro geschätzt. Förderanträge für Zuschüsse seien bei der Landeskirche gestellt. Es stehe aber noch nicht fest, wann Geld zur Verfügung stehe, sagte Schluckebier.

Dicke Risse im Mauerwerk: Die beiden Fenster an der Westseite des Kirchenschiffs wurden mit Holzgerüsten gestützt.

„Wir hoffen sehr, dass die Sanierung im neuen Jahr beginnen kann“, sagt Erika Minhöfer, die seit 1971 Kirchenvorsteherin ist. Um die Christen jeden Sonntag auch ohne Glocken auf die Gottesdienste einzustimmen, benutzt sie eine Klangschale aus Bronze. Das Musikinstrument aus Asien, das sie in einem Dritte-Welt-Laden in Melsungen gekauft hat, hatte sie mal mit zu einem Treffen des Frauenkreises in Felsberg. Die Felsberger Kirchenvorsteherin Martina Orth hatte die Idee, die Klangschale als Ersatz-Glocke zu benutzen.

Eine Gute Idee, wie sich herausstellte. „Es ist etwas ganz Besonderes zum Gottesdienstbeginn“, sagt Erika Minhöfer, „ein tolles Ersatzinstrument, ein feiner Ton, die Menschen sind sehr aufmerksam“. Glockenklang, sagt die Küsterin, „ist einfach schön, und Glocken gehören zum Gottesdienst“. Dass sie schweigen, wird nach den Worten Minhöfers in Böddiger auch von den Menschen bedauert, die nicht in die Kirche gehen.

„Fürchtet Euch nicht, denn ich verkündige Euch große Freude.“ So lautet die Inschrift auf der großen Glocke, die zuletzt allein erklang. Mit Erika Minhöfer hoffen alle Christen in Böddiger, dass alle drei Glocken bald wieder erklingen. Und beim ersten Festgeläut wird bestimmt auch der Abschluss der Sanierungsarbeiten verkündet werden.

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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