Mit Schwalmstädter Hilfe wagen Obdachlose im Übergangswohnheim einen Neuanfang

Glück im neuen Heim

Der Leiter des Marburger Übergangswohnheims, Rainer Fritsch (links) mit Dieter Laubsch in dessen Wohnung in Marburg. Foto: Rolf K. Wegst

Treysa/Marburg. Im Fernsehen schwimmen bunte Fische durchs Bild. „Das beruhigt“, sagt Dieter Laubsch über seine Aquariums-DVD. Er lässt sie meist den ganzen Tag laufen. Rechts neben der Mattscheibe steht das gerahmte Bild des Rathauses von Melsungen. Da ist der 67-Jährige geboren. Links lächelt seine Frau Erika von einem Foto. 25 Jahre war er mit ihr verheiratet. Als sie an Krebs starb, kam Dieter Laubsch aus dem Gleis. Seine Arbeit als Schlosser hatte er schon vorher verloren - seine Firma hatte Pleite gemacht. „Ich bin in ein Loch gefallen“, sagt Laubsch.

Der Leiter des Marburger Übergangswohnheims, Rainer Fritsch, weiß, wovon sein Klient redet. Er ist selbst Witwer. Das verbindet. Und er kümmert sich seit knapp 30 Jahren im Auftrag des Treysaer Diakoniezentrums Hephata um Obdachlose.

Leichter Fall

Dieter Laubsch zählt dabei zu seinen „leichten“ Fällen. Der Schlosser ist ordentlich, kocht gut und hat kein Drogenproblem. Nach dem Tod seiner Frau versuchte er einen neuen Start in Bremen, kam dort jedoch nicht klar. Er verließ die Stadt nur mit einer Reisetasche, zog über Land und strandete schließlich im Marburger Übergangswohnheim.

Seit Januar 2011 hat er wieder eine eigene Wohnung, die er aber nur selten bewohnt. „Ich bekomme kaum Luft“, sagt der 67-Jährige, der an einer Lungenkrankheit leidet. Dieter Laubsch schwatzt gern und bringt andere zum Lachen. „Für mein Alter geht es mir gut“, sagt er. Trotzdem braucht er Unterstützung. Nicht nur für Behördengänge, Arztbesuche und Einkäufe: „In der Vergangenheit hat er in Stresssituationen mehrfach alle Brücken abgebrochen“, sagt Fritsch.

„Schicksalsschläge können jeden treffen“, urteilt Rainer Fritsch. Viele der Älteren haben bis vor wenigen Monaten noch in ihren vier Wänden gelebt und den Alltag einigermaßen bewältigt. „Dann kam plötzlich noch ein Problem dazu - die Arbeit, Familienkrise oder Schulden - und sie landen auf der Straße“, erzählt der 53-jährige Sozialpädagoge: „Diese Erfahrung erschreckt zutiefst.“ Fritsch macht die Arbeit auch nach knapp 30 Jahren immer noch gern. „Das sind Menschen mit bewegenden Lebensgeschichten“, sagt der Sozialpädagoge, der manchen Stammkunden bis zum letzten Atemzug begleitet hat.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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