Gnadenhochzeit: Friedrich und Wilhelmine Ritter sind seit 70 Jahren verheiratet

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Ein seltenes Fest: Friedrich und Wilhelmine Ritter blicken auf einen gemeinsamen 70-jährigen Lebensweg als Mann und Frau zurück und feiern heute Gnadenhochzeit. Foto: zih

Habichtswald. Für das in Dörnberg lebende Ehepaar Friedrich und Wilhelmine Ritter ist ihre unzerbrechliche Liebe auf ihrem gemeinsamen Lebensweg als Ehepaar eine Gnade und ein Geschenk Gottes. Heute feiern die beiden im Kreis ihrer Liebsten, den Familien ihrer drei Kinder mit sieben Enkeln und elf Urenkeln das seltene Fest der Gnadenhochzeit. Friedrich und Wilhelmine Ritter sind sage und schreibe 70 Jahre verheiratet.

Kennengelernt haben beide sich, als Wilhelmine, geborene Hartmann, mit ihrer Mutter eine Tante in Burghasungen besuchte. Dort war auch Friedrich zugegen, „der“, so die damals 17-Jährige, „sofort gefiel, das könnte einer fürs Leben sein.“ Die Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit, die beiden trafen sich regelmäßig bei der Tante. Das gemeinsame Glück war jedoch nur von kurzer Dauer, denn ein Jahr später ging Friedrich als Soldat an die Front. Der Kontakt bestand fortan aus Briefen und kurzen Heimaturlauben.

Eheschließung im Krieg

Ein solcher wurde am 15. Juli 1944 auch dazu genutzt, bei einer so genannten Kriegstrauung vor dem Standesbeamten den Bund der Ehe zu schließen. Wilhelmine hatte sich dazu ein weißes Kleid geborgt, Friedrich sagte in der Uniform eines Stabsfeldwebebel Ja. Gefeiert wurde im Kreis der Familie in der Dörnberger Gaststätte Kasseler Hof.

Der Jubilar, der am 2. September 1924 in Burghasungen das Licht der Welt erblickte, lernte nach dem Schulbesuch den Beruf des Schuhmachers in einem Betrieb in Martinhagen. Mit 18 wurde er freiwillig Soldat und lernte als Panzerpionier die Schrecken und das Grauen des Zweiten Weltkrieges an der russischen Front kennen.

Mehrere schwere Kriegsverletzungen waren vielleicht sein Glück. Statt in jahrelange russische Kriegsgefangenschaft zu geraten, kam Friedrich Ritter in ein amerikanisches Militärhospital in Hann. Münden und wurde von dort kurz nach Kriegsende zu seiner jungen Familie in Dörnberg entlassen. In seinem erlernten Beruf, den er mit dem Meistertitel krönte, fand er nicht nur sofort wieder Arbeit in einer Kasseler Schuhfabrik, sondern er wagte auch gleichzeitig den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete in Dörnberg eine Schuhmacherwerkstatt.

In Vereinen engagiert

Zudem engagierte er sich ehrenamtlich in der Dörnberger Feuerwehr, war viele Jahre Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes und Küster in seiner evangelischen Kirchengemeinde.

Wilhelmine wurde am 16. März 1924 in Dörnberg als eines von sechs Kindern der Familie Hartmann geboren. Wie es damals überwiegend üblich war, erlernte sie keinen Beruf, sondern arbeitete bei örtlichen Landwirten als Hof- und Haushaltshilfe. Nach der Hochzeit kümmerte sie sich um die Erziehung der Kinder und sorgte im inzwischen eigene Haus, das sie noch heute bewohnen, für ein geordnetes Familienleben.

Liebevoller Umgang

Auf die Frage, ob sie den vor 70 Jahren vollzogenen Schritt auch heute machen würden, bestand mit einem Lächeln die spontane Antwort der beiden nur aus einem Wort: Ja. Und Friedrich nahm liebevoll die Hand seiner Frau. (zih)

Quelle: HNA

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