Musikpaparazzo Florian Brauer entlarfte Akkorde und Texte bekannter Hits

Gnadenlos deckte er alles auf

Florian Brauer

Lobenhausen. Der Musikpaparazzo alias Florian Brauer ließ am Freitagabend die Besucher der Kammermusikwoche in Lobenhausen hinter die Kulissen der Musikwelt schauen. Das tat er skurill, schräg und unterhaltsam.

Hinter Brauers Kabarett steht eine fundierte musikalische Ausbildung: Er hat einen wunderschönen Tenor und kann hervorragend Klavier spielen. Zu Beginn verlas Brauer eine offizielle Genehmigung zum Kabarett in einer Kirche. Als Pfarrerssohn sei er schließlich mit Bach-Chorälen aufgewachsen, und er demonstrierte, wie das an einem Sonntagmorgen zu Hause zuging. Dann erfuhren die Zuhörer, dass es aufgrund einer empirischen Untersuchung beliebtester Akkorde eine Pop-Datenbank gibt, in der sich die Komponisten des Genres Akkorde einkaufen. Man hat auf die alten Komponisten zurückgegriffen, wie er anhand von „You’re beautiful“ von James Blunt bewies, dessen Akkordfolge sich auch im alten Kirchenlied „Lobe den Herren“ wiederfindet. Die Akkordfolge ist aber auch in „Let it be“ der Beatles und in „Give me fever“ von Elvis Presley zu finden und mündet in eine Interpretation des Wandererliedes von Franz Schubert.

Kein Interpret moderner Pop-Kultur war vor dem Paparazzo sicher, gnadenlos deckte er auf, dass Howard Carpendale frauenfeindlich textet, man Udo Lindenberg kaum verstehen kann und was wirklich hinter Texten wie „Ring of fire“ (Jonny Cash) steht. Dass Kastraten in der Damenwelt einst beliebt waren, kommt in einer Opernarie zum Ausdruck, und mit der Nasenpfeife interpretierte Brauer, mit Gesten untermalt, das „Ave Maria“ von Gounod, wobei ihm Traudl Schmaderer aus dem Publikum als Klavierbegleiterin zur Hilfe kam.

Ein Gag löste den nächsten ab. Gekonnt demonstrierte Brauer einen Transponationsgenerator in der Orgel und das neueste Hör-Backbuch im Rap-Stil von Dr. Oetker für die Jugend. Als Zugabe für den tosenden Applaus gab es „Halleluja“ von Leonhard Cohen: Sich selbst in den Schlaf singend, putzte Brauer sich die Zähne, rasierte sich und legte sich schließlich – dabei ständig am Klavier begleitend – unter dem Instrument schlafen.

Von Agnes Dürr

Quelle: HNA

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