Historische Gerüchteküche: Dokumente deuten einen Aufenthalt in Spangenberg an

War Goethe zu Gast in Spangenberg?

Besuchte vielleicht Spangenberg: Johann Wolfgang von Goethe.

Spangenberg. Mehrere Dokumente deuten an, dass Johann Wolfgang von Goethe auf Besuch in Spangenberg gewesen sein könnte. Einen Beweis dafür gibt es nicht – doch völlig abwegig ist die Annahme auch nicht.

Fest steht: Eine Verbindung zwischen Goethe und dem Schwalm-Eder-Kreis gibt es längst. Im März 1793 notierte Goethe das Zusammentreffen mit dem „Schultzen von Ziegenhayn“ und dessen Einladung zur Burg Kirchberg.

Auch spricht er von einer Begegnung mit Friedrich Gottlieb Dietrich, einem Enkel der Familie Dietrich aus Ziegenhayn („Sämmtliche Werke“, Stuttgart und Tübingen, neugeordnete Ausgabe von 1840). In Zusammenhang mit diesen Erlebnissen könnte Goethe auch Halt in der Liebenbachstadt gemacht haben.

Anna Bölke, Tochter des letzten Spangenberger Schlosskommandanten Major Georg August Gissot, schrieb in ihren Erinnerungsblättern (in der dritten Auflage von 1909) auf Seite 128: „Kommerzienrat Schröder hatte sich das schöne Haus mit seinem Kunstsinn erbaut, wovon noch heute herrliche Wandmalereien Zeugnis ablegen, und soll in diesem Tuskulum sogar unser großer Dichterfürst Goethe zu Gast gewesen sein!“ Es handelte sich demnach schon damals um ein Gerücht.

Goethe reiste als "Herr Müller"

Das Tuskulum, heute das Spangenberger Rathaus, wird allerdings auch in einer zweiten Quelle erwähnt. „Einem unverbürgtem Gerücht zufolge soll der Große Goethe dem Finanzrat Schröder einst einen Besuch gemacht haben“, heißt es auf Seite 156 der unveröffentlichten Chronik des Lehrers und Heimatforschers Karl-Georg Frischkorn von 1936.

Ein Grund für Goethes Aufenthalt in Spangenberg und seinen mutmaßlichen Besuch bei Kommerzienrat Schröder wird nicht näher erläutert. „Unwahrscheinlich ist aber, dass er bei einer seiner italienischen Reisen als Goethe hier Station gemacht hat“, sagt Literatur-Fachmann Gert Hirchenhain, der lange Zeit in Spangenberg lehrte. Grund: „Denn soweit ich weiß, ist Goethe immer in größter Anonymität als ,Herr Müller’ gereist.“

Denkbar wäre laut Hirchenhain eher, dass Goethe bei einer seiner wissenschaftlichen Studien durch Spangenberg kam – wie etwa zu der Zeit, in der er die Begegnung mit dem „Schultzen von Ziegenhayn“ beschrieb. Hirchenhain: „Möglich wäre, dass er sich dort bei einem seiner Ausflüge ausgeruht hat.“ Oder, dass Goethe in dem Finanzrat und Industriellen Schröder einen finanziellen Unterstützer suchte.

„Nur Vermutungen“

„Es handelt sich dabei nur um Vermutungen“, unterstreicht Heinz Buhre, ehemaliger Büroleiter im Spangenberger Rathaus, der sich viel mit Heimatgeschichte auseinandersetzt und eine der wenigen Schriften von Anna Bölke besitzt. „Aber ganz unrealistisch ist das nicht, Kommerzienrat Schröder war ein weit über die hessischen Grenzen hinaus bekannter und wohlhabener Mann.“ (sal)

Quelle: HNA

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