Sie hat sogar einen Kirchturm      

Eine Mobile Kirche für Spangenberg: Gottesdienst im Bauwagen

Bauwagen mit Kirchturm: Im Bild von links Pfarrer Dr. Volker Mantey, Landmaschinenmechaniker Ferdinand Häde, Jugenddiakon Andreas Brunßen, Praktikantin Christine Weisel, Landmaschinenmechaniker Walter Kümmel und Pfarrer Michael Schümers.  Foto: Feser

Spangenberg. Eine mobile Kirche gibt es neuerdings in Spangenberg: In einem umfunktionierten Bauwagen finden Gottesdienste statt.

Ohne Martin Luther würde es keinen Kirchturm in Spangenberg geben. Aber nicht für die Stadtkirche, sondern für die Mobile Kirche. Denn für den Wettbewerb „Alte Thesen neu gelesen“, den die Landeskirche Kurhessen-Waldeck anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 ausgeschrieben hat, ist die Idee entstanden, aus dem Bauwagen der Gemeinde eine Mobile Kirche mit Kirchturm und Glocke zu machen. Dafür gab’s nun 1000 Euro von der Landeskirche.

Der Turm 

Landmaschinenmechaniker Ferdinand Häde von der Firma Kümmel aus Nausis hat den Turm aus Stahlblech gebaut. Auf der Spitze steckt ein abschraubbares Kreuz. Weil die Fahrzeughöhe von 4,40 Meter die Fahrt auf dicht bewachsenen Waldwegen oder unterm Burgsitz-Torbogen hindurch verhindert, muss das Kreuz vor jeder Fahrt vom Turm geschraubt werden. Dann wird der Turm, genau wie das Ofenrohr, vom Bauwagen geschraubt und im Innenraum verstaut. So ist die Mobile Kirche flexibler einsetzbar.

Die Ausstattung 

Noch hat der Bauwagen einen mintgrünen Anstrich. Bald soll er kunterbunt sein, denn Jugenddiakon Andreas Brunßen plant, den Wagen von den Spangenberger Kindern gestalten zu lassen. Es wird ein Projekt der Spangenberger Jugend: Konfirmanden werden in der Nähwerkstatt Sitzkissen herstellen, andere bauen ein Regal für Bibeln und Kindergottesdienst-Materialien. „Und viele ehemalige Konfirmanden sind begeisterte Schlepperfahrer“, berichtet Pfarrer Dr. Volker Mantey, „sie freuen sich schon, den Bauwagen mit einem Schlepper ziehen zu können.“

Die Glocke 

Konfirmanden waren es auch, die bis in die 1960er-Jahre die Glocken in allen Spangenberger Kirchen läuteten: an Seilen. Das wird künftig wieder möglich sein, zumindest bei der Mobilen Kirche. Die Glocke hängt an einem Seil und klingt nur, wenn daran gezogen wird. Als Schiffsglocke im Internet erstanden, klang sie einst übers Wasser, und künftig wird sie im Spangenberger Land zu hören sein. Dafür sorgen Schallschlitze im Kirchturm. Vom Klang erinnert die Glocke eher an eine Bimmelbahn oder ein Eisauto. Pfarrer Michael Schümers betont: „Wir wollen mit der Glocke nicht die Stadt beschallen, sondern ein Zeichen setzen, dass die Mobile Kirche unterwegs zu den Menschen ist.“ Und dass im ehemaligen Bauwagen Gottesdienst gefeiert wird.

Zahlen und Fakten zur mobilen Kirche

Ein Ofen, ein Turm, eine Tür, drei Fenster, vier Räder  - das sind die Grunddaten des Bauwagens. Bald kommen noch zwei Bierzeltgarnituren dazu, die in einer selbst gezimmerten und aufklappbaren Bank im Wagen Platz finden sollen.

Vier Schrauben halten den Kirchturm am Bauwagen. Sie fixieren ihn an einem Gestell, das an einer Stirnseite befestigt ist.

Acht Minuten dauert es, bis der Kirchturm vom Bauwagen abmontiert ist. Das hat Pfarrer Michael Schümers schon getestet. Das Abschrauben ist wichtig, weil zum Beispiel der Bauwagen, der auch als Wanderkirche genutzt werden soll, bei Fahrten über Waldwege sonst nicht unter tiefhängenden Bäumen hindurch passt.

20 Menschen haben im Kirchen-Bauwagen Platz. Ein paar mehr sind es, wenn die Mobile Kirche für Kindergottesdienste genutzt wird.

30 Kilo wiegt der Turm, den Ferdinand Häde, Landmaschinenmechaniker bei der Firma Kümmel in Nausis, für die mobile Kirche angefertigt hat. Vier Schrauben fixieren den Turm an dem Bauwagen.

1121 Euro kostete der Bauwagen - ein ebay-Fund, genau wie die Kirchenglocke, die eigentlich eine Schiffsglocke ist. Von einem Seil gezogen, schwingt und läutet sie im Kirchturm.

1979 ist das Baujahr des Bauwagens. Der hat schon eine bewegte Geschichte hinter sich: Nach Pausenraum auf Baustellen, diente er im Sauerland jahrelang als Katholische Jugendraum - mit SAT-Schüssel. Seit zehn Jahren ist er Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde Spangenberg.

Quelle: HNA

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