Der Leiter der Polizeistation Wolfhagen wird in Ruhestand verabschiedet

Hauptkommissar Grau verlässt die Wache

+
Abschied: Wolfhagens Polizeichef Robert Grau packt seine Sachen. Am Dienstag ist sein letzter Arbeitstag.

Wolfhagen. Bei der Wolfhager Polizei endet am Dienstag eine Ära. Der Chef verlässt die Wache. Robert Grau meldet sich zum letzten Mal zum Dienst. Am Freitag wird der Erste Hauptkommissar 60, dann tritt er in den Ruhestand.

Seit 1983 ist Grau durchgängig auf der Wolfhager Dienststelle, das ist im Polizeidienst eine ungewöhnlich lange Zeit. „Einmal hatte ich bereits die Koffer gepackt, wollte zu einer anderen Dienststelle wechseln, aber dann wurde die Personalie anders geregelt.“ Grau blieb in Wolfhagen, seit 2004 leitet der gebürtige Waldecker, der in Freienhagen lebt, die Station. „Ich habe das Gefühl, dass die Dienststelle jetzt mal jemand anderen erfahren sollte“, erzählt Grau, während er seinen Schreibtisch aufräumt. Er verlässt die Polizei nach fast 39 Jahren. Eine Zeit, wie wohl überall im Berufsleben, mit Höhen und Tiefen.

Bilder vom Abschied

Verabschiedung von Polizei-Chef Robert Grau

Als echten Höhepunkt wird Grau nie die Nachtschicht am 1. Juli 1990 vergessen. Nach einer Trunkenheitsfahrt in Oelshausen, die mit einem Unfall endete, wurden drei junge, angetrunkene Männer vernommen. Keiner wollte am Steuer gesessen haben. In der Nacht, Grau war im Dienst, tauchte noch eine Zeugin auf, die hatte alles gesehen - der Fall war geklärt. Die Zeugin wurde genau vier Jahre später die Ehefrau von Robert Grau.

Unvergessen für ihn ist auch ein spektakulärer Fahndungserfolg. Ende der 1990er-Jahre ging der Wolfhager Polizei eine litauische Autoschieberbande ins Netz, die im Ruhrgebiet gestohlene Autos im Wolfhager Industriegebiet auseinandergeschraubt und in den Osten gebracht hatte.

Eng mit Grau und seinem Kollegen Jürgen Hildenbeutel ist die „Die letzte Sekunde Deines Lebens“ verbunden, ein Präventionsprogramm, das jungen Autofahrern die schrecklichen Folgen von Verkehrsunfällen vor Augen führt. Mit viel Herzblut hat der Polizeichef die Aktion beworben. Wenn es darum ging, junge Menschen für eine Sache zu begeistern, war der hemdsärmelige Uniformträger in seinem Element. Rock gegen Raser war so eine Sache. Mit fetziger Musik hat Grau die Heranwachsenden in große Säle gelockt. Der Naumburger Musiker Mike Gerhold hat ihn dabei maßgeblich unterstützt.

Hängen geblieben sind aber auch tragische Momente, wie sie der Polizeialltag mit sich bringen kann. Graus Streifenkollege in Hanau hat 1976 einen 14-jährigen Jungen versehentlich erschossen. „Die Zeiten von Baader-Meinhof gingen nicht spurlos an der Polizei vorbei“, sagt Grau über den tödlichen Irrtum seines Kollegen während eines Einsatzes.

Graus Engagement machte auch vor Parteigrenzen nicht Halt. Er war lange Zeit Mitglied in der SPD, trat Ende der 1980er-Jahre aber aus, weil er manche offene Diskussion zu Themen der Zeit vermisste und er als „einfache Nummer“ in der Partei tituliert worden war.

Mit seiner Frau Kerstin freut sich der leidenschaftliche Koch nun vor allem auf Touren mit dem eigenen Wohnwagen.

Zur Person

Robert Grau (59) trat 1972 in den Polizeidienst ein. Er war zunächst in Kassel und dann mehrere Jahre in Südhessen. Er besuchte die Fachoberschule und studierte danach an der Verwaltungsfachhochschule. Seit 1983 ist er bei der Polizei in Wolfhagen. Lange Zeit engagierte er sich intensiv für die Polizeigewerkschaft GdP. Der Erste Hauptkommissar ist verheiratet und Vater dreier Kinder. (awe)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare