Griff in Kinderhose: Verfahren gegen Mann wird vorläufig gegen Geldstrafe eingestellt

Schwalmstadt. Ein Weihnachtsgeschenk nennt ein Amtsrichter aus Schwalmstadt die Geldstrafe, die er gegen einen 44-Jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain verhängt, der nach Ansicht des Gerichts einer Zwölfjährigen in die Unterhose und an die Brust gefasst hatte.

Bei der Verhandlung am Mittwoch wurde das Verfahren gegen Zahlung von insgesamt 2000 Euro Strafe und Schmerzensgeld vorläufig eingestellt.

„Missbrauch eines Kindes“, lautete die Anklage im Sitzungssaal 101 im Schwalmstädter Amtsgericht. Richter stellte aber gleich zu Beginn klar: „Es ist eine Schweinerei – keine Frage.“ Doch die Tat sei als „niedrigschwelliger Übergriff“ auf ein Kind einzustufen. Es gebe weitaus Schlimmeres und so sei das Strafmaß zu wahren.

Der 44-Jährige hatte sich nach Meinung des Gerichts im Dezember 2009 an einer 12-Jährigen vergangen, indem er seine Hand in ihre Unterhose steckte und ihr an die Brust fasste. Zu dem sexuellen Übergriff war es in der Wohnung des Angeklagten gekommen, der ein Onkel des Opfers ist. Das Mädchen vertraute sich später ihrer Mutter an. Ein Gutachter bestätigte die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen.

Geschichte sei erfunden

Der angeklagte Handwerker hatte bis zur Gerichtsverhandlung darauf beharrt, dass die Geschichte der 12-Jährigen frei erfunden sei. Auch im Gericht war aus seinem Mund kein Schuldeingeständnis zu hören. Auch nicht, als Richter ihn unter Druck setzte: „Es spricht alles dafür, dass sie diese Straftaten begangen haben. Ein Kind lügt nicht einfach so.“

Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung, in der sich der Angeklagte mit seiner Verteidigerin beriet, teilte diese lediglich mit, dass ihr Mandant das Risiko einer Verurteilung nicht eingehen wolle und mit den zur Last gelegten Taten einverstanden sei. Die Einstellung gegen Auflagen akzeptiere er.

Zuvor hatte der Richter dem Angeklagten seine Alternativen aufgezeigt: „Sechs Monate Haft, die zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden“. Bei einer Verurteilung lande die Angelegenheit in seinen Papieren.

Staatsanwaltschaft und Richter begrüßten die Einstellung des Verfahrens. So habe dem Mädchen eine öffentliche Aussage erspart werden können. Weil es die finanzielle Situation des Mannes nicht zuließ, wurden die Zahlungen an das Opfer und einen Schulverein in Raten vereinbart. Zudem muss er die Kosten der Nebenklage zahlen. Die Verfahrenskosten trägt der Staat.

Dem 44-Jährigen gab der Richter mit auf den Weg: „Jetzt müssen Sie klar kommen, mit dem, was in der Welt ist.“ Zunächst solle er die Tat aber vor sich selbst einräumen.

Quelle: HNA

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