Insolvenzverschleppung: Bewährung für Mann aus Wabern

Griff nach Strohhalm

Kassel/WABERN. Was der Bauingenieur aus Wabern am Mittwoch als Tragödie bezeichnete, war für das Kasseler Amtsgericht Insolvenzverschleppung. Es verurteilte den 52-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe.

1999, so berichtete der Angeklagte hatte er eine Bauträgergesellschaft gegründet. „Es lief besser als ich es mir vorgestellt hatte.“ Doch an einem Tag im Februar 2007, als ihm ein Geschäftspartner eine Liste mit Verbindlichkeiten vorlegte, traute er seinen Augen nicht: Forderungen in einer Höhe von rund 60 000 Euro waren offen. Einen Tag später prüfte er die Zahlen seines Unternehmens und da offenbarte sich ihm „ein Bild, das ich mir nie hätte vorstellen können“. Auf der Soll-Seite stand deutlich mehr als auf der Haben-Seite.

Seine Frau hatte bis dahin die Finanzen verwaltet, ihr hatte der Angeklagte voll und ganz vertraut. Er schob die Schuld nicht auf sie ab, sondern sagte am Mittwoch selbstkritisch: „indem ich so gutgläubig war, habe ich eine Pflichtverletzung begangen.“

In dieser Situation hätte er Insolvenz anmelden müssen, doch er griff „nach jedem Strohhalm“. Einer dieser Halme war, die GmbH zu verkaufen – und zwar an einen Interessenten irgendwo in Griechenland. Er wolle nichts schönreden, beteuerte der Angeklagte, doch „ich bin zu gut für diese Welt“. Richter Klaus Döll entgegnete, dass der 52-Jährige mit Blick auf den Verkauf der Firma nicht nur Opfer, sondern auch Täter sei. Die gesetzliche Vorschrift, innerhalb kürzester Zeit Insolvenz anzumelden, habe, daran erinnerte Döll auch, unter anderem den Grund, dass Gläubiger ihr Geld bekommen.

Neben der Insolvenzverschleppung musste sich der Angeklagte wegen Bankrotthandlungen verantworten. Er hatte Geldzahlungen im fünfstelligen Bereich, die der GmbH zugestanden hätten, auf eigene Konten transferiert. „Meine Familie und ich brauchten Geld zum Leben“, erklärte der 52-Jährige dieses Verhalten.

Da er die Taten am Mittwoch weitgehend gestand und einige Anklagepunkte mit Blick auf die Schwere der übrigen Vorwürfe eingestellt wurden, konnte der Prozess bereits nach wenigen Stunden beendet werden. Ursprünglich waren noch zwei weitere Verhandlungstage geplant.

Das Gericht gestand ihm zu, dass er versucht habe, seine Firma zu retten. Er habe sich dabei zwar die falschen Berater gesucht, doch letztlich habe er die Entscheidungen getroffen, so Richter Döll.

Das Gericht verurteilte den bisher nicht vorbestraften Angeklagten zu einem Jahr und drei Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem muss er in Raten von 200 Euro eine Summe von 5 600 Euro an den Geschäftspartner zahlen, der bisher leer ausgegangen war. Und er muss innerhalb von zwei Jahren 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. (Pas)

Quelle: HNA

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