50 Jahre Wasserverband Schwalm

Als die große Flut kam - extremes Hochwasser 1960

Bundeswehreinsatz: Im Winter 1960 stand eine Fläche von 32 Quadratkilometern unter Wasser, das Foto zeigt Ziegenhain. Foto: Privat/nh

Treysa. Regenfälle und Schneeschmelze sind für die Schwalm besonders tückisch: Das erlebten die Menschen am 6. Dezember 1960, als ein extremes Hochwasser eine Fläche von 32 Quadratkilometern überflutete.

Zwei Jahre später wurde unter dem Eindruck dieses Ereignisses der Wasserverband Schwalm gegründet – in diesen Tagen vor 50 Jahren. „Die Schwalm hat im Mittel- und Unterlauf ein sehr geringes Gefälle, sodass das Hochwasser aus dem Vogelsberg, dem Knüll und dem Kellerwald nicht abfließen kann“, erläutert Betriebsleiter Peter Kugler.

Die Schwalm trat auch in Treysa über die Ufer: Die Aufnahme zeigt den Blick vom Johannes-Falk-Haus in Hephata. Foto: Thomas Hasper/Bremen/nh

Insbesondere bei einsetzender Schneeschmelze, wenn der gefrorene Boden kein Wasser aufnehmen kann, sei es immer wieder kritisch geworden. Von dem großen Hochwasser 1960 künden noch einige Marken an umliegenden Mühlen, etwa in Dittershausen und Allendorf. „Heute ist die interkommunale Zusammenarbeit in aller Munde. Schon damals hat man begriffen, dass auch das Wasser nicht an den Kreisgrenzen Halt macht“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Den Bau der drei Becken habe man recht schnell umgesetzt. Gezahlt haben 95 Prozent Bund und Land – insgesamt 50 Millionen Mark.

Peter Kugler

Vorbehalte habe es allerdings gegeben: Unter anderem von Landwirten, aber auch Naturschützern. „Damals wurde festgelegt, dass der Verband bei Hochwasser Entschädigung zahlen muss.“ Vier Mal in ihrer Geschichte wurden die Becken maximal eingestaut. „Brenzlig war es 1995, als der Damm durch Wellenschlag geschädigt worden war. Das THW sicherte ihn mit 1000 Sandsäcken“, erklärt Kugler. Beschädigt war jedoch nur die obere Bodenschicht, man entschied sich jedoch, den Damm in diesem Bereich abzuflachen. Jährlich werden die Rückhaltebecken und die Anlagen von der Talsperrenaufsicht überprüft.

Die Einstauzeit beträgt maximal zwei Wochen: „Danach muss gemessen werden, wie stark der Damm durchfeuchtet ist“, sagt der Betriebsleiter.

Darüber hinaus setzt sich der Verband auch für Renaturierung ein. Für 2013 ist eine Million für solche Projekte veranschlagt. „Geplant ist, unter anderem eine Turbine an der Antrifftalsperre zu bauen“, erläutert Kugler, seit 15 Jahren Betriebsleiter. Faszinierend findet der Ingenieur Wasser nach wie vor: „Die Aufgabe ist reizvoll, weil der Verband alles aus einer Hand realisiert: Idee, Umsetzung und den Betrieb.“

Mittlerweile gebe es auch keine Vorbehalte mehr. „Die Skepsis ist gewichen, weil sich die Flächen prächtig entwickelt haben und sogar ausgewiesene Vogelschutzflächen sind“, sagt Kugler.

Das beweise, dass Hochwasserschutz und Naturschutz kein Widerspruch seien. „Würde es die Rückhaltebecken nicht geben, wären die Flächen sicher städtebaulich zusammen gewachsen – aber dann wäre Schwalmstadt ein Mal jährlich abgesoffen.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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