Polizeikontrolle an der A7 enthüllt: Jeder zweite Lastwagen ist nicht verkehrssicher

Große Mängel ohne Ende

Präzisionsarbeit: Kommissar Frank Aschenbrenner dirigiert bei der Lkw-Kontrolle der Polizei an der Raststätte Hasselberg einen Sattelzug auf die mobile Waage. Foto: Szamborzki

Schwalm-Eder. Das hat sich gelohnt: Bei der Lkw-Kontrolle auf der Raststätte Hasselberg an der A7 (wir berichteten) stellte die Polizei bei jedem zweiten Lastwagen erhebliche Sicherheitsverstöße fest. Hauptprobleme seien technische Mängel und die Sicherung der Ladung, sagte Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch aus Kassel.

„19 Fahrzeugen mussten wir die Weiterfahrt vorübergehend untersagen, bis die Mängel behoben sind.“

Bei zwölf Fahrzeugen beanstandeten die Polizisten um Friedhelm Leck vom Lkw-Kontrolltrupp des Polizeipräsidiums Nordhessen den Zustand von Reifen, Bremsanlagen und Aufbauten. „Bei zwei Brummis waren die Bremsscheiben gerissen“, teilte Jungnitsch mit. Außerdem gefährdeten 15 Lastwagen mit nur schlecht gesicherter oder falsch verteilter Ladung den Verkehr.

16 Fahrer hätten zudem die Lenk- und Ruhezeiten nicht eingehalten, wie Spezialisten vom Kasseler Amt für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik bei einer Auswertung der elektronischen Fahrtenschreiber feststellten.

Dabei seien ausländische Fahrzeuge nicht unbedingt in einem schlechteren Zustand. „Seit der Wirtschaftskrise merkt man, dass auch bei deutschen Speditionen gespart wird“, betonten die Polizisten während der Kontrolle.

Insgesamt untersuchten 40 Polizisten aus Hessen, Niedersachsen und Thüringen während des achtstündigen Einsatzes 42 Lastwagen und Transporter. Zehn Teams zogen auffällige Brummis zwischen der Anschlussstelle Homberg und der Raststätte Hasselberg aus dem Verkehr.

Zwei bis drei Stunden kann die Überprüfung samt Beheben der Mängel pro Lkw dauern, erläuterte Wolfgang Jungnitsch. Manche Fahrer müssten jedoch auch länger auf technische Unterstützung warten, denn die müsse erst von den Speditionen organisiert werden.

Um sicherzustellen, dass alle Schäden behoben werden, ziehe die Polizei zeitweilig die Lade- und Fahrzeugpapiere ein, erläuterte Jungnitsch: „Nur mit einer Reparaturbescheinigung dürfen die Lkw weiterfahren.“ Wer sich nicht vor Ort durch einen angeforderten Techniker helfen lassen könne, müsse eben zur Reparatur in die nächste Werkstatt geschleppt werden.

Die lange Liste gravierender Mängel zeige, wie wichtig regelmäßige Kontrollen sei. Bis zu zwölf Mal im Jahr ist die Polizei dazu im Einsatz. Einen festen Rhythmus gebe es nicht, damit die Lkw-Fahrer die Überprüfungen nicht umgehen können, so Jungnitsch.

Ein weiteres, ziemlich beunruhigendes Ergebnis der Kontrolle am Hasselberg ist: Solange viele Speditionen um Zeit und Kosten zu sparen nicht mehr auf Wartung und sichere Beladung ihrer Fahrzeuge achten, scheinen die Autobahnen nicht sicher.

Quelle: HNA

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