Interview mit Diplom-Psychologin: „Großeltern sind moderner“

Eltern und Großeltern kümmern sich gern: Wenn man sich versteht, profitieren alle von einer engen Beziehung zwischen den Generationen. Foto: dpa

Homberg. Marianne Schäfer-Jansky weiß, wie man sich als frischgebackene Oma fühlt: Ihre Enkeltochter ist eineinhalb Jahre alt. Wir haben mit der Diplom-Psychologin über die Rolle der Großeltern gesprochen.

Frau Schäfer-Jansky, wie war es für Sie, vor eineinhalb Jahren Großmutter zu werden? 

Marianne Schäfer-Jansky: Das war ein wunderschönes Gefühl. Ich war sehr stolz auf meine Tochter und meinen Schwiegersohn. Gleichzeitig kamen viele Erinnerungen an meine Zeit als junge Mutter hoch.

Wie unterscheiden sich die Großeltern von heute von den Großeltern der 70er und 80er-Jahre? 

Schäfer-Jansky: Die Großeltern von heute sind moderner und in der Regel noch berufstätig. Zudem geht es ihnen wirtschaftlich meist besser als den Großeltern vor 30 Jahren, sodass sie auch ihren Enkeln mehr bieten können. Viele sind auch aufgeschlossener gegenüber modernen Erziehungsmethoden, während noch eine Generation zuvor wesentlich mehr Wert auf strikten Gehorsam gelegt wurde. Die Großeltern von heute sind auch eher bereit, von ihren Enkeln zu lernen, gerade was Technik angeht.

Welche Reibungspunkte gibt es zwischen frischgebackenen Eltern und Großeltern? 

Schäfer-Jansky: Die Reibungspunkte sind über die Zeit hinweg sehr ähnlich geblieben. Häufig geht es um alles, was unter Verwöhnen fällt. Großeltern erlauben den Kindern meist mehr, egal ob es ums Fernsehen, Süßigkeiten oder länger Aufbleiben geht. Das ist auch erst einmal nicht schlimm - sie müssen nämlich nicht mehr an erster Stelle erziehen, das ist Aufgabe der Eltern. Wichtig ist dabei nur, dass sie Absprachen mit den Eltern einhalten. Die Kommunikation ist der Dreh- und Angelpunkt und sie ist umso wichtiger, je mehr Zeit die Großeltern mit den Enkeln verbringen.

Sollten die Großeltern den jungen Eltern Ratschläge geben? 

Schäfer-Jansky: Grundsätzlich haben Großeltern durch ihre Erfahrung für viele Situationen einen Rat. Trotzdem müssen sie genau wie die Eltern erst in ihre neue Rolle hineinwachsen.

Was heißt das genau? 

Schäfer-Jansky: Dass man Toleranz füreinander braucht. Die Großeltern sollten für die Eltern da sein, aber lieber zuerst fragen, wo ihre Hilfe benötigt wird, anstatt sie mit ungebetenen Ratschlägen überschütten. Die Eltern sollten hingegen den Großeltern zuhören, auch wenn es zunächst nicht mit den eigenen Erziehungsideen übereinstimmt. Ob sie die Ratschläge befolgen, ist eine andere Sache.

Vortrag für neue Eltern und Großeltern 

Mehr Fragen zur Beziehung von Eltern und Großeltern beantwortet Marianne Schäfer-Jansky am Montag, 22. Februar in der Melsunger Straße 11 in Homberg. Los geht es mit einem Vortrag um 19 Uhr, anschließend bleibt noch Zeit für ein Gespräch. Eingeladen sind Großeltern und junge Eltern. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten, gerne können aber auch Kurzentschlossene vorbeikommen.

Anmeldung bei der Elternschule unter Tel. 0 56 81/9 36 46 31 oder per E-Mail unter info@elternschule-schwalm-eder.de

Quelle: HNA

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