130 Arbeitssuchende kamen zum Job-Speed-Dating in Homberg

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Bei den beiden lief es gut: Ob Diana Meier dem 23-jährigen Thomas Habibi eine Ausbildung anbieten kann, wird sie ihm in den kommenden Tagen mitteilen.

Homberg. Thomas Habibi ist noch immer ein wenig nervös. Zwischen ihm und Diana Meier scheint es „gefunkt“ zu haben – zumindest auf beruflicher Ebene.

Dabei hatte der 23-Jährige nur fünf Minuten, um die Geschäftsführerin von Hepla, einem Hersteller für Werbeartikel, von sich zu überzeugen. Fünf Minuten, die über Thomas’ zukünftiges Leben entscheiden könnten. Denn der 23-Jährige ist einer von rund 130 Arbeitssuchenden, die zum Job-Speed-Dating nach Homberg gekommen sind.

„Die Zeit ist schon ein bisschen knapp“, sagt Habibi, seine Bewerbungsmappe hält er fest in den Händen. „Dafür ist die Atmosphäre sehr locker.“ Seit zwei Jahren lebt der gebürtige Afghane in Deutschland, zuvor hat er aushilfsweise als Bauhelfer und Kfz-Mechaniker im Iran gearbeitet. In Deutschland möchte der 23-Jährige nun am liebsten eine Ausbildung machen.

Das Problem: Sein Schulabschluss wird in Deutschland nicht anerkannt. Für die meisten Ausbildungsbetriebe ein Ausschlusskriterium. Nicht so für Diana Meier: „Thomas ist engagiert, und das ist erst einmal die Hauptsache.“ So könne sie sich für ihn zum Beispiel eine „Ausbildung zum Medientechnologen“ gut vorstellen. „Man merkt einfach, dass der junge Mann interessiert und motiviert ist.“ Vor sechs Jahren hat die Geschäftsführerin mit ihrer Homberger Firma schon einmal am Job-Dating teilgenommen. Mit Erfolg: „Wir haben damals einer Kandidatin ein Praktikum angeboten. Heute ist sie feste Mitarbeiterin bei uns“, sagt sie.

Betriebe aus Pflege, Handwerk und Industrie

Die Produktionsfirma Hepla ist eins von 16 Unternehmen, die sich in der Dienstleistungsstelle der Kreisspaarkasse Schalm-Eder in Homberg versammelt hatten. Darunter Betriebe aus dem Pflegebereich, dem Handwerk und der Industrie. „Viele kommen regelmäßig“, sagt Wilfried Naumann, Jobcoach bei dem Bildungsträger GSM, der das Job-Dating seit sechs Jahren in Kooperation mit dem Jobcenter veranstaltet.

„Es gibt viele Stellen“, sagt Naumann. „Vor allem aber wächst der Bedarf nach qualifizierten Fachkräften.“ Das Job-Dating sei vor allem etwas für „Leute, die beispielsweise wegen großer Lücken im Lebenslauf über den regulären Bewerbungsprozess gar nicht mehr reinkommen“, so Naumann. Beim Job-Dating hingegen zähle vor allem eines: Persönlichkeit.

Der Meinung ist auch Gaby Möller von der Bäckerei Möller in Schwalmstadt. „Man merkt schnell, ob die Chemie stimmt“, sagt sie. In den vergangenen drei Stunden hatte Möller 16 Bewerber vor sich sitzen, von denen sie einer bereits in der ersten Minute überzeugt hat. Gleich für die kommende Woche hat sie den 30-Jährigen zum Probearbeiten eingeladen. „Der junge Mann war offen und begeisterungsfähig. Genau das, was wir suchen.“

Quelle: HNA

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