Vereinigung Malerstübchen zeigt Werke von Ludwig Knaus

Ein großer Realist

Haben die Ausstellung vorbereitet: Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, und Helmut Geißel (rechts) von der Vereinigung Malerstübchen. Foto: Rose

Willingshausen. Einen der wichtigsten Künstler des Ortes und bedeutenden Realisten des 19. Jahrhunderts würdigt die Vereinigung Malerstübchen ab Samstag in einer hochkarätigen Ausstellung. Mit seinen Bilderzählungen vom Leben auf dem Lande und seinen Studien des bäuerlichen Milieus beeinflusste Ludwig Knaus vorbildhaft die Genremalerei seiner Epoche. Nach 15 Jahren sind 40 seiner Werke wieder einmal in Willingshausen zu sehen. Unterstützt wird die Bilderschau vom Hessischen Museumsverband sowie der C.H. Schmitt Stiftung, Kurator ist Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Die Werke stammen aus Museen in Wiesbaden, Kassel und Marburg, aber auch aus Privatbesitz und sollen an den 100. Todestag des Künstlers erinnern. Lange sei Knaus eine Malerpersönlichkeit gewesen, die man vergessen habe, erklärt Küster. „Dabei war Knaus zu Lebzeiten ein großer Genremaler.“ Er habe zu der Generation der Maler gehört, die ihre Werken erstmals in eine Beziehung zur Wirklichkeit setzten, erläutert der Kunsthistoriker. Dabei habe Knaus die Wirklichkeit nie beschönigt, sondern fast schon profane Themen in seinen Werken festgehalten. „In Frankreich machte er das deutsche Sittenbild populär.“ Dafür wurde er von Gustave Courbet verehrt.

Fotografische Genauigkeit

Ab 1849 besuchte Ludwig Knaus regelmäßig Willingshausen, insgesamt zehn Mal. Anfangs entstanden überwiegend kleinformatige Studien in Öl. In der Ausstellung zu sehen ist auch das Skizzenbuch. „Seine Zeichnungen sind von fast fotografischer Genauigkeit“, sagt Küster. „Es sind nicht nur Typen, die er abbildet, sondern immer auch Individuen.“ In Willingshausen habe er sich einen Fundus geschaffen, aus dem er später schöpfte. „Die großen Kompositionen mit Figurenstaffage sind reine Fiktion“, verdeutlicht der Experte. Nachdem er sich in Paris niederließ, arbeitete er auch in Barbizon, „der Urzelle aller Künstlerkolonien“

Dort entstanden „unspektakuläre“ Naturausschnitte – im Stil einer prosaischen Wirklichkeit. Zu den Hauptwerken Ludwig Knaus gehört das 1871 entstandene „Hessische Leichenbegräbnis im Winter“, das auf zwei alte Studien aus Willingshausen aufbaut. Es ist jetzt zum ersten Mal in der Schwalm zu sehen. Eine Rarität sind auch Trachtenteile aus eigenem Besitz. Das Modell einer Kinderweste ist exakt jenes, das der von ihm porträtierte Junge im Bild „Der Dorfprinz“ trägt. Beeindruckend sind Knaus grundsolide Studien der Bauern. „Dabei war er nie verletzend, stellte sie nie als Karrikatur dar – sondern als geachtete Person“, erklärt Küster. Auch sei ihm wie keinem zweiten gelungen, den Alltag in kleine Pointen zu übersetzen.

Letztes Selbstbildnis

1881 reiste der in Berlin lebende und mittlerweile hoch dekorierte Künstler zum letzten Mal nach Willingshausen. Briefe künden aber davon, dass er den Kontakt in die Schwalm pflegte. 1910 starb Ludwig Knaus. Sein letztes Selbstbildnis ist in den kommenden Wochen ebenfalls in der Kunsthalle zu sehen. • Ausstellungseröffnung heute, 16 Uhr, Kunsthalle im Gerhardt-von-Reutern-Haus, die Bilderschau läuft bis Sonntag, 10. Juni, jeweils Dienstag bis Samstag, 14 bis 17 Uhr sowie Sonntag, 10 bis 17 Uhr

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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