Schauspieler Hardy Krüger jr. in Homberg zu Gast 

Großes Theater auf kleiner Bühne 

Ein besonderes Paar: Hardy Krüger Jr. (links) mit Schauspielerkollege Stephan Benson als Henry Finnegan und Thomas Gray in dem Zwei-Mann-Stück „Die Jungs im Herbst“ Foto: Georg Wendt/nh

Homberg.  In der Homberger Stadthalle gastiert Hardy Krüger jr. am Dienstag, 2. Oktober, 20 Uhr, mit dem Stück „Die Jungs im Herbst“ und versetzt die Zuschauer zurück in die Zeit von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Wir sprachen mit dem Schauspieler über kleine Bühnen und das Theater der Zukunft.

 

Herr Krüger, Sie haben schon auf vielen Bühnen in Deutschland gespielt. Was nehmen Sie von einer kleinen Bühne wie in Homberg mit?

Hardy Krüger Jr.: In kleinen Häusern ist die Stimmung viel intensiver. Dann hat das Ganze eher so eine Wohnzimmeratmosphäre. Ich bin als Schauspieler auch viel näher am Publikum und kann die Reaktionen direkt aufnehmen. Wenn in großen Häusern noch ein Orchestergraben zwischen Publikum und Bühne ist, kann man ein wenig verloren gehen.

Hat das Publikum in kleinen Theatern andere Ansprüche?

Krüger Jr.: Das kann man nicht pauschalisieren. Jedes Publikum ist anders. Das kann sogar von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein. Einige gehen zum Lachen in den Keller, andere sind laut, fröhlich und haben Spaß am Theater. Jeder Tag ist anders, auch in derselben Stadt. Manchmal sind auch Zuschauer dabei, die meine Stücke schon mehrfach gesehen haben und dann mitsprechen können. Für uns als Schauspieler ist es am wichtigsten, dass der Saal voll ist und die Leute Lust auf Theater haben.

Also lieber klein und heimisch oder groß und pompös?

Krüger Jr.: Ich tendiere eher zur kleinen Bühne, zum kleinen Theater. Dort kann ich mit meiner Stimme, auch mit den ganz leisen Tönen, sogar die letzte Reihe erreichen und viel mehr variieren. Natürlich ist es für mich als Schauspieler auch schön, wenn über 2000 Zuschauer in einer Freilichbühne oder im Stadttheater sitzen.

Die Klangbasis ist dort aber nicht dieselbe. Da kann es schon mal vorkommen, dass bei den älteren Damen und Herren in den hinteren Rängen die Hörgeräte piepsen.

Gibt es auch etwas Negatives an den überschaubaren Theatern?

Krüger Jr.: Auf einer kleinen Bühne gibt es manchmal Einschränkungen. In „Die Jungs im Herbst“ fährt ein Auto auf die Bühne, und wenn der Platz nicht reicht, muss man andere Lösungen finden. Wenn ich einfach drauflos spielen kann, fühle ich mich am wohlsten.

Die „Jungs im Herbst“ ist ein Zwei-Mann-Stück. Baut man eine besondere Beziehung zum Schauspielpartner auf?

Krüger Jr.: Die Situation mit nur zwei Schauspielern ist eine ganz andere, sie ist viel intensiver. Es ist dann immer besonders schön, wenn sich mein Partner voll und ganz auf das Stück einlässt und ich wirklich spüre, dass die Lust am Spielen vorhanden ist. Und man sich eben nicht nur selber darstellen will. Egal was passiert, die Show auf der Bühne geht weiter.

Ist es für das Publikum dann eine andere Erfahrung?

Krüger Jr.: Die Zuschauer haben die Möglichkeit, mich von einer ganz anderen Seite zu sehen, die sie vorher aus dem Fernsehen gar nicht kannten. Für mich als Schauspieler sind auch die Reaktionen aus dem Publikum interessant. Dann höre ich etwas wie: „So haben wir den Krüger noch nie gesehen.“ Auf der Bühne erkennt das Publikum, dass ich nicht immer die eine Sorte von Rollen spiele, sondern auch mal in den Bad Guy schlüpfe.

Im Programmheft heißt es, dass „Die Jungs im Herbst“ eine Herzensproduktion sei. Was steckt dahinter?

Krüger Jr.: Das letzte Mal wurde das Stück von meinem Vater und Mario Adorf gespielt. Es ist ein altes Broadwaystück und ist mit der Zeit in Vergessenheit geraten. Nach „Ziemlich beste Freunde“ habe ich etwas gesucht, was anders ist, kein typisches modernes Stück, in dem sich der Regisseur nur selbst inszenieren will. Diese boulevardesken Stücke kommen für mich gar nicht in Frage. Heute fehlt dem Theater diese Nüchternheit. Man sieht nur noch Musicals oder Walt Disney. Stücke wie „Die Jungs im Herbst“ sind eine Seltenheit.

Was ist für Sie das Besondere an dem Stück?

Krüger Jr.: Es ist wie ein altes verstaubtes Buch und hat unglaublich viele Facetten. Man kann wunderbar zeigen, wie verletzbar auch die Helden einer Geschichte sein können. Es gibt ein bisschen Zirkus, ein bisschen Varieté und ganz viel Theater, wie es früher einmal war. Diese Atmosphäre wollte ich in das Stück mit einbringen und habe es deswegen wieder aus der Schublade geholt.

Denken Sie, dass sie als hochkarätiger Schauspieler eine Konkurrenz für kleine Theatergruppen sind?

Krüger Jr.: Theater lebt von einer gegenseitigen Präsenz. Wir sollten alle auf der Bühne stehen, egal ob Laie oder Profi und versuchen, die Leute ins Theater zu holen. Das Theater stirbt immer mehr aus und vor allem die jungen Leute werden immer weniger. Es ist allgemein erkennbar, dass die Theater immer leerer werden.

Wir leben alle für unseren Beruf und müssen miteinander und nicht gegeneinader arbeiten. • Karten gibt’s noch beim Verrückten Floristen und bei Piazza in Homberg, Preis: 18 Euro.

Quelle: HNA

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