Mutige Rentnerin

Aupair-Oma in Kanada: Großmutter packt die Koffer

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Keine Angst vor neuen Erfahrungen: Bärbel Ortmann aus Ziegenhain ging als Granny-Aupair nach Kanada.

Ziegenhain. Bärbel Ortmann hat Mut bewiesen - und ist dafür belohnt worden. Die 66-Jährige war für ein halbes Jahr in Kanada. Als Aupair-Oma reiste die Ziegenhainerin in die Kälte und nahm jede Menge Wärme mit zurück.

Seit Juli ist Bärbel Ortmann wieder in der Schwalm. Und plant schon ihren nächsten Aufenthalt als Oma auf Zeit. „Ich bin Rentnerin und habe irgendwo von der Möglichkeit gelesen. Und die Idee ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen“, erzählt die gelernte Altenpflegerin.

Als Mutter von vier Kindern, die jetzt alle aus dem Haus seien, habe sie sich nach einer Aufgabe gesehnt. Gesagt, getan: Im Internet wurde Bärbel Ortmann fündig. Über ein Online-Portal ging sie auf Suche nach der geeigneten Familie. Und fand die richtige Adresse bei zwei Schweizern, die vor zehn Jahren nach Kanada ausgewandert waren.

„Ein Kind, das Zweite unterwegs, das klang für mich spannend“, erinnert sich die 66-Jährige. Im Januar packte Ortmann ihre Koffer. Allein reiste sie nach Clearwater in British Columbia. „Das war schon irgendwie am Ende der Welt.“ Die Gastfamilie zahlte den Flug, Kost und Logis. Bärbel Ortmann kam zu gläubigen Baptisten. Ohne Fernseher und Radio im Haus. „Das war ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Aber man muss sich anpassen.“ Das fiel der 66-Jährigen nicht schwer. In erster Linie war Ortmann nämlich für den eineinhalbjährigen Nachwuchs der Familie da. „Ich habe ihn in den Kindergarten gefahren, mit dem Auto Ausflüge unternommen, auch mal Wäsche gemacht, ein bisschen Haushalt - letzteres aber freiwillig. In die Erziehung habe ich mich nie eingemischt.“

Neugierig sei sie auch mit zur Kirche gegangen. „Und dort habe ich wirklich sehr nette Menschen kennen gelernt. Und ich konnte mein Englisch verbessern“, sagt die Ziegenhainerin. Beeindruckt habe sie die starke Gemeinschaft, der Rückhalt. Den Virus des Reisens habe wohl ihre komplette Familie, erzählt Ortmann: „Eine Tochter lebt in Australien.“

Immer unterwegs: Ob Spielen mit Kindern, Spazieren gehen mit Hund und Kind oder Paddeln auf dem See – als Granny-Aupair hatte Bärbel Ortmann aus Ziegenhain immer viel vor.

Ihr selbst sei es wichtig gewesen, als Rentnerin noch einmal ein anderes Land und andere Leute kennen zu lernen. „Ich finde, man muss nichts mitbringen - außer Lebenserfahrung und natürlich ein bisschen Mut.“ Im Bekanntenkreis habe sie häufig gehört, dass sich Freunde einen solchen Schritt nicht mehr zutrauten. „Aber meine Kinder sind stolz auf mich“, sagt sie.

Und stolz ist Bäbel Ortmann selbst auch: „Ich musste mich auf viel Neues einstellen, manchen Kompromiss eingehen - aber das kann man in jedem Alter“, möchte die Ziegenhainerin andere ermutigen. Immer wieder schaut sich die Rentnerin Videos, die sie in Kanada aufgenommen hat, an. Mit der Familie besteht ein reger Email-Kontakt.

Viele Bilder von Erlebnissen trage sie in sich, erzählt sie. Die machten Lust, bald wieder die Koffer zu packen. Im Frühjahr wollte Ortmann ursprünglich als Aupair-Oma nach Australien.

Ein wenig muss sie damit aber noch warten: „Im März kommt mein Enkelkind. Deshalb werde ich den Aufenthalt verschieben - aber ich habe riesige Lust, auch wieder Oma in einem fremden Land zu werden.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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