Viele Anstöße für die Wissenschaft

Grubenunglück in Stolzenbach: Borkener Trauma-Arbeit wegweisend

Für die „angeleitete Gemeindehilfe“ in Borken, so der Fachbegriff, wurde der Psychotherapeut Dr. Georg Pieper hauptamtlich eingestellt. Seitdem habe er seine Erfahrungen an vielen Orten eingesetzt, sagt Professor Wolfram Schüffel, der damals mit ihm zusammenarbeitete.

Unter anderem war er nach dem Amoklauf in Erfurt und nach dem ICE-Unglück bei Eschede im Einsatz, kümmerte sich aber auch Opfer von Geiselnahmen.

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Die Traumaarbeit in Borken habe dazu geführt, dass sich auch die Wissenschaft in Deutschland mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) befasst habe, sagt Schüffel. In anderen Ländern sei man zu diesem Zeitpunkt längst weiter gewesen, das Phänomen war unter anderem aus dem Vietnamkrieg, aber auch aus dem Zweiten Weltkrieg bekannt. Auch heute ist PTBS aktuell, weil beispielsweise Afghanistansoldaten oft darunter leiden.

Wichtig war in Borken aus Schüffels Sicht auch die Supervision, also die Betreuung der Betreuer. Er habe diese auch selbst in Anspruch genommen. Supervisorin des Gesamtprojekts war Professorin Günsel Koptagel-Ilal von der Universität Istanbul.

Wolfram Schüffel

Das sei gut gewesen, da auch die türkischen Bergarbeiter eine wichtige Rolle spielten, wie Schüffel sagt. Die Grauen Wölfe – eine als rechtsextrem geltende türkische Gruppierung – habe damals versucht, die Borkener Türken aufzuwiegeln und Zwietracht zu säen. Das sei jedoch misslungen.

Vielen Menschen fällt es bis heute schwer, über das Grubenunglück zu sprechen. Für Schüffel ist das keine Überraschung. Die Wunden seien vernarbt, aber: „Die Menschen werden immer wieder an ihre Narben erinnert.“ (ode)

• Prof. Wolfram Schüffel war Leiter der Abteilung Psychosomatik der Universität Marburg. Er ist emeritiert.

Quelle: HNA

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