Grüße von den Grimms: Vorbereitungen für spezielles Theaterprojekt

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Theater in der Stadt: Yana Thönnes, Christina Rath und Bernhard Mikeska (von links) bringen im August Spangenberger Geschichten in einer ungewöhnlichen Art auf die Bühnen des Hauses in der Mittelgasse 14.

Spangenberg. Acht Räume, acht Spieler, ein Zuschauer: Das ist das Konzept eines Theaterprojekts, das Anfang August in einem alten Fachwerkhaus in Spangenberg zu sehen ist.

Der Nordhesse an sich ist ein guter Geschichtenerzähler. Das merken die Theatermacher Yana Thönnes, Christina Rath und Bernhard Mikeska immer wieder, wenn sie mit Menschen aus Spangenberg über deren Stadt und Erinnerungen reden. „Hier herrscht eine große Kultur des Erzählens“, stellt Regisseurin Christina Rath aus Zürich fest. Und: „Viele Menschen verbindet eine große Liebe zu dieser Stadt.“

Beides kommt ihr ausgesprochen gelegen, denn zusammen mit ihren beiden Kollegen will Christina Rath Anfang August ein ungewöhnliches Theaterstück auf die Bühnen eines Fachwerkshauses in der Spangenberger Innenstadt bringen.

Dieses Stück entsteht zurzeit in Gesprächen mit Spangenberger Einwohnern, die von früher und aus ihrem Leben erzählen. Die Theaterleute sammeln damit Erinnerungen wie bunte Fäden, verknoten und verweben sie miteinander. Damit entsteht ein Flickenteppich voller Motive und Anekdoten – die sich alle ausschließlich ums Leben in Spangenberg drehen.

Die drei Theaterprofis formen aus all dem neue Geschichten: Und zeigen sie an fünf Terminen im August in der Mittelgasse 14.

Dort wird dann ein Fachwerkhaus zum Festspielhaus und zum Treffpunkt für alle, die Kunst, Kultur und Geschichten mögen.

Eine Hommage an die Stadt

Noch knapp zwei Monate haben Thönnes, Rath und Mikeska Zeit, um die vielen Puzzleteilchen der Stadtgeschichte zusammenzufügen. „Es ist kein dokumentarisches Theater, aber wir ziehen unsere Motive aus der großen Schatzkiste, die uns die Spangenberger öffnen“, sagt Yana Thönnes. „Wir nutzen das kollektive historische Gedächtnis, das uns die Spangenberger öffnen.“ Allein das ist ja schon ungewöhnlich.

Noch ungewöhnlicher ist, dass es nicht eine, sondern acht Bühnen im Haus geben wird, auf denen die Schauspieler agieren – ganz exklusiv für einen einzigen Zuschauer. Sobald der den Raum verlässt, spielen die Akteure die Szene erneut. Eine Herausforderung für alle Spieler. Und ein Erlebnis für alle Besucher: „Dieser dichten suggestiven Situation kann man sich nicht entziehen“, sagt Bernhard Mikeska. „Es ist das Gegenteil des herkömmlichen Theaters, bei dem der Zuschauer im Dunkeln sitzt und auf die helle Bühne schaut.“

Überhaupt ist diese Theater-idee das Gegenteil von vielem. Vor allem ist sie das Gegenteil der Fantasie- und Lieblosigkeit. Denn was die drei da schmieden, ist eine Hommage an Spangenberg und seine Menschen.

Von Claudia Brandau

Idee

Ein 300 Jahre altes Fachwerkhaus in der Spangenberger Innenstadt soll zum Festspielhaus werden: Da es keinen Theatersaal hat, wird jeder der acht Räume zur Bühne – und zwar für einen einzigen Zuschauer. Der betritt den ersten Raum, erlebt dort zwei Schauspieler in Aktion und wechselt nach kurzer Zeit in den zweiten, dritten, vierten Raum – und überall ist und bleibt er einziger Zuschauer. Er betritt ein Labyrinth aus fiktiven und widersprüchlichen Erinnerungen – und ist mittendrin. Und weiß manchmal nicht, ob er nur Beobachter oder schon Teil des Geschehens ist. (bra)

Gesucht 

Die Theatergruppe sucht noch dringend einige wichtigen Requisiten. Die nehmen sie als Geschenk oder als Leihgabe:

• ein altes Hochzeitskleid

• großformatige Hochzeitsbilder aus vergangenen Zeiten

• einen Super-8-Projektor samt Filmen und Leinwand

• Tondokumente

• alte Bettwäsche: grobe Leinenbezüge, aber auch zarte Wäsche für Paradekissen.

Dringend benötigt werden auch noch Helfer. Willkommen sind alle, die Getränke verkaufen, mit anpacken oder einfach zur Unterhaltung der Gäste beitragen wollen. Tel. 0171/9376332

Aufführungen

Die Vorstellungen des Spangenberger Theaterprojekts sind für den 1., 3., 8., 9. und 10. August geplant. Da die Spieler immer nur vor einem einzigen Zuschauer auftreten, gibt es natürlich auch keinen einheitlichen Beginn: Alle sechs Minuten startet eine Aufführung. Die Besucher werden dann auf zwei Parcours mit je vier Räumen durch das Haus geführt, dafür wird eine Dauer von 50 Minuten angesetzt. Tickets kosten 14,90 Euro und gibt es ab 1. Juli.

Kontakt: E-Mail: tickets@ dashaus-mittelgasse14.de, Tel. 0171/937 6332

www.vereinfuerraumundzeit.de

Quelle: HNA

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