Verantwortlich sind Eigentümer

Grundstück sorgt für Ärger: Angst vor Rattenplage in Felsberg

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Zugewuchert: Teile des Grundstücks im Felsberger Stadtteil Hesserode sind kaum noch begehbar. An vielen Stellen liegt Abfall herum, wie hier verrostete, alte Fässer.

Felsberg. Ein leerstehendes, verfallenes Haus entwickelt sich in Hesserode zum Problem: Die Dorfbewohner beklagen, dass das vermüllte Grundstück Ratten anzieht.

Wer das verlassene Grundstück an der Dr. Georg-Koch-Straße in Hesserode betreten will, muss sich durch mannshohes Gestrüpp kämpfen. Modriger Geruch liegt in der Luft. Dicke Spinnweben hängen an den Außenwänden, Terrasse und Treppenstufen sind bedeckt mit Moos und einer braunen, glibberigen Masse. Überall liegt Müll herum. Ein trauriger Anblick.

„Das war mal ein richtig schönes Haus mit einem herrlichen Garten“, schildert Hesserodes Ortsvorsteherin Bärbel McEnaney. Doch das ist lange her. Das Gebäude mit dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück ist seit Jahren verlassen. Wie die Ortsvorsteherin berichtet, war der frühere Hausbewohner bei einem Unfall ums Leben gekommen. Seitdem kümmert sich niemand mehr um Haus und Grundstück. Das hat Folgen, sagen die Dorfbewohner: Der Unrat, der auf dem Gelände herumliegt, ziehe Ratten an.

Die Tiere werden in letzter Zeit vermehrt in der Umgebung des verlassenen Grundstücks gesichtet. „Tagsüber laufen hier die Ratten rum, das hatten wir früher nicht“, sagt Anwohner Fritz Faust. Die Hesseröder haben bereits Giftköder ausgelegt – ohne nennenswerten Erfolg. „Wir machen 20 tot, und 100 kommen nach“, sagt Dorfbewohner Heinz Küster.

„Es muss etwas passieren. Wir haben uns das schon viel zu lange angesehen“, sagt Ortsvorsteherin McEnaney. In die unmittelbare Nachbarschaft des leer stehenden Hauses seien jetzt Familien mit jungen Kindern gezogen. Die Vorstellung, dass dort, wo Kinder spielen, Ratten herumlaufen, gefällt ihr nicht. „Es ist Gefahr im Verzug“, sagt McEnaney.

Verantwortlich für das Grundstück sind die Eigentümer. 50 Prozent des Grundstücks gehören laut der Ortsvorsteherin einer älteren Dame, die nicht mehr im Ort lebt und auch nicht mehr in der Lage ist, sich um das Anwesen zu kümmern. Die Eigentümerin wollte sich gegenüber der HNA nicht äußern. Die andere Hälfte des Grundstücks gehört seit Mitte 2012 dem Land Hessen. Das Land sieht sich in diesem Fall jedoch nicht in der Pflicht, einzugreifen. 

Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) teilte auf HNA-Anfrage mit, beide Eigentümer des betroffenen Grundstücks in Hesserode seien für die Verkehrssicherung gleichermaßen verantwortlich. „Es fanden bereits mehrfach Grundstücksbegehungen durch Mitarbeiter des Landes statt. Diese ergaben jedoch keinen Hinweis auf eine Rattenplage“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Bei den Ablagerungen auf dem Grundstück, die bereits vor Erbantritt bestanden, handelt es sich vor allem um gefällte Bäume und deren Äste sowie leere Plastikfässer und weiteren Sperrmüll. Derzeit geht keine Gefahr von diesem Grundstück aus.“

Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz sagte auf HNA-Anfrage, der erste Schritt sei, mit den Eigentümern in Kontakt zu treten. Gegebenenfalls könne man das Ordnungsamt einschalten. In jedem Fall müsse man sicherstellen, dass keine Infektionsgefahr von dem Grundstück ausgehe.

Alte Kanister lagern auf dem verlassenen Grundstück: Der Unrat locke Ratten an, fürchten Ortsvorsteherin Bärbel McEnaney und die Anwohner Heinz Küster und Fritz Faust (von links).

Aus Sicht von Ortsvorsteherin Bärbel McEnaney ist es ohnehin ein Jammer, dass das riesige Grundstück nicht genutzt wird. „Wir haben viele Anfragen von jungen Leuten, die gern in Hesserode bauen würden.“ Ihr Wunsch wäre, dass man das verfallene Haus abreißt und das Grundstück verkauft. „Da würden zwei Bauplätze draufpassen“, sagt sie. Doch in dem jetzigen Zustand könne man das Gelände keinem Käufer anbieten. 

Der LBIH teilt mit, grundsätzlich sei das Land Hessen daran interessiert, geerbte Grundstücke schnellstmöglich zu veräußern. Das Grundstück in Hesserode befinde sich aber derzeit nicht im Vertrieb, weil es überschuldet sei – eine Vermarktung könne erst nach der Entschuldung stattfinden.

Quelle: HNA

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