Günterode: Ortstermin

Anschluss an Glasfasernetz und Radweg sind Themen im 330-Einwohner-Dorf Günsterode

Schön am Dorfeingang: Das Dorfgemeinschaftshaus Günsterode, im Bild mit dem neuen Ortsvorsteher Stefan Heinemann, wurde vor zehn Jahren eingeweiht.
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Schön am Dorfeingang: Das Dorfgemeinschaftshaus Günsterode, im Bild mit dem neuen Ortsvorsteher Stefan Heinemann, wurde vor zehn Jahren eingeweiht.

Wer aus Günsterode stammt, bleibt, wer doch weggegangen ist, kommt wieder. Das sagt Stefan Heinemann, 39, der neue Ortsvorsteher. Er gehört zur ersten Gruppe.

Günsterode – Der Elektroinstallateur, der mittlerweile als Sachbearbeiter arbeitet, ist „hier oben“ aufgewachsen und geblieben. Hier oben, weil Günsterode auf 352 Meter liegt und damit der höchst gelegene Melsunger Stadtteil ist. Auch sonst ist Günsterode ein besonderes Dorf.

Eine Besonderheit empfängt den Besucher schon am Ortseingang: Das Dorfgemeinschaftshaus, das aus einer Scheune und einer Lagerhalle entstanden ist. Es bietet Platz für Basare, Tischtennistraining, Kinderturnen und vieles mehr. Die vielseitige Nutzung in idyllischem Ambiente ist nicht nur in Günsterode beliebt: „Wir sind im Sommer fast jedes Wochenende ausgebucht“.

Das DGH ist aktuell auch ein Sorgenkind des Ortsbeirats, weil dringend ein neuer Hausmeister gesucht wird, Handzettel wurden bereits im Dorf verteilt. Denn coronabedingt kann die Vermietung wieder losgehen. Aktuell bleiben viele Hausmeister-Aufgaben am Ortsvorsteher hängen, das fängt schon bei dem Auffüllen der Spender mit der neuen Lieferung Desinfektionsmittel an.

Heinemann ist der letzte Verbliebene des alten Ortsbeirates, den zuletzt Frank Heinemann für viele Jahre angeführt hat. Der Rückzug der bisherigen Ortsbeiratsmitglieder habe aber nichts mit dem gescheiterten Projekt Aktivstall zutun, sagt Stefan Heinemann, der nicht mit seinem Amtsvorgänger verwandt ist, „und wenn nur über sehr viele Ecken“. Die bisherigen Ortsbeiratsmitglieder waren zwischen 16 und 20 Jahre im Amt. Jetzt gibt es einen Umbruch.

Stefan Heinemann ist es wichtig, das Dorf bei allem mitzunehmen. Beispielsweise wenn es um die Neugestaltung des teilweise überdachten Dorfplatzes geht. Der ist mit seinem dunklen Anstrich etwas in die Jahre gekommen. „Wir wollen sein Erscheinungsbild erneuern.“ Der Ortsbeirat freue sich über Ideen aus dem Dorf. Denkbar wäre beispielsweise eine Ladestation für E-Bikes, schlägt Heinemann vor.

Manche Themen des neuen Ortsbeirats sind die des alten, etwa der Anschluss ans Glasfasernetz. Das liegt nur fünf Kilometer vom Dorf entfernt, am Verteiler bei Kehrenbach. „Da ist es ein Nachteil, dass wir so weit weg sind von Melsungen.“ Günsterode ist über Richtfunk mit der Welt des Internets verbunden. Das sei im Normalfall ausreichend – aber nicht mit Homeoffice und Homeschooling und bei schlechtem Wetter. Mobiles Internet funktioniert erst recht schlecht im Dorf: Einen HNA-Artikel auf dem Handy lesen – „das ist nicht möglich“, sagt Stefan Heinemann.

Schön in der Dorfmitte: Der Bauernhof neben dem Dorfplatz ist im Besitz von Ludwig Georg Braun und wird in monatelanger Arbeit saniert.

Dafür kann man in Günsterode samstags Eiskugeln kaufen, wenn der Eiswagen am Dorfplatz hält. Und im Sommer kommt der Blumenwagen, und zwei Mal in der Woche kommt das Bäckerauto. Die große weite Welt kommt mit dem Auto nach Günsterode, denn am Ortsrand steht ein komplett schwarzes Haus, das Los Angeles heißt und auch in Madrid, London oder eben in Los Angeles stehen könnte.

Aber es steht an der Spelzbachstraße und ist ein Domizil für Künstler, die sich vom Ambiente und der Ruhe in Günsterode inspirieren lassen können. „Das bringt uns in den Großstädten ins Gespräch.“ Das für ein 330-Einwohner-Dorf sehr ungewöhnliche Projekt wurde möglich, „weil die Günsteröder gut eingebunden wurden, viele haben beim Bau geholfen.“

Ein Projekt des Ortsbeirates ist der letzte Zwei-Kilometer-Anschluss an den Radweg nach Melsungen. „Wir hoffen, dass wir beim neuen Radverkehrskonzept nicht vergessen werden.“ Und das kann unterstützen, dass die Günsteröder bleiben oder wieder zurückkommen. (Von Claudia Feser)

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