Hermann Meystädt war über 40 Jahre lang Platzwart beim Sportclub Neukirchen

Die gute Seele der Fußballer

Voller Einsatz: Hermann Meystädt zieht die Linien auf dem Sportplatz des SC Neukirchen. Früher streute er per Hand ein. Foto: Quanz

Neukirchen. Der Sportplatz war sein zweites Zuhause. „Ich war fast jeden Tag dort“, sagte Hermann Meystädt. 44 Jahre lang hat er den Sportplatz des SC Neukirchen gemäht, die Kabinen sauber gemacht und rechtzeitig den Heizungs-Hahn für das warme Wasser angedreht.

Im November wird Hermann Meystädt 77 Jahre alt. Und da dachte er sich, es wird Zeit für den Ruhestand. „Irgendwann ist es genug“, sagt er mit Blick auf über 40 Jahre ehrenamtliche Arbeit.

Die Liebe war es, die den gebürtigen Treysaer nach Neukirchen verschlagen hat. Seit 56 Jahren ist er mit seiner Frau Käthe verheiratet. „Nach der Hochzeit habe ich mich beim Fußballverein in Treysa abgemeldet und bin nach Neukirchen gezogen.“

Er arbeitete bei der Stadt Neukirchen und war auch für Mäh- und Gartenarbeiten zuständig. „Da lag es nahe, dass ich den Sportplatz des SC mache.“ Die Geräte lieh er sich vom Bauhof der Stadt.

Früher hat er die Linien von Hand eingestreut. Zuvor musste genau ausgemessen werden. „Da war Geduld gefragt“, sagt er. Heute gibt es dafür ein Gerät. Seine Frau hat es nie gestört, dass er so viel Zeit auf dem Sportplatz verbrachte. „Ich habe ja selbst zehn Jahre lang die Trikots der Spieler gewaschen“, erzählte seine Frau. Bereut hat er sein Engagement nie. Im Gegenteil: „Es war eine schöne Zeit und ich hatte nie Ärger.“

Er hat die großen Zeiten des SC Neukirchen erlebt. Aufstieg in die Regionalliga, Pokalspiele gegen Dortmund und Nürnberg. Gerne holt er alte Zeitschriften hervor und schwelgt in Erinnerung.

Bei einem Auswärtsspiel bei den Amateuren des FC Bayern München bat ihn der damalige Erste Vorsitzende Jürgen Schwabe, mit einem Spaten ein kleines Stück Rasen als Erinnerungsstück auszugraben. „Das habe ich aber nicht getan“, sagt er. Erstens habe er keinen Spaten dabei gehabt. Und zweitens habe es schließlich in Neukirchen auch einen schönen Rasen gegeben, den er so liebevoll gepflegt habe.

Den größten Ärger gab es bei Spielen gegen Darmstadt oder Offenbach. „In Offenbach haben sie einmal den Bus demoliert“, erinnert er sich. In über vier Jahrzehnten sind viele Erinnerungen zusammen gekommen.

Magath mochte Bratwurst

Auch an Felix Magath, dem die Bratwurst in Neukirchen so gut schmeckte. „Er hat uns gefragt, ob wir ein paar Bratwürste für ihn hätten. Da haben wir geantwortet: Mehr, als du Geld dabei hast“, erzählt Meystädt verschmitzt. Ganz loslassen kann er noch nicht. Ab und zu kommt er als Zuschauer auf den Sportplatz und feuert die Fußballer an.

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Von Florian Quanz

Quelle: HNA

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