Sarah Kaiser und ihr Trio traten in der Homberger Christus-Epheta-Kirche auf

Gute Songs, schlechter Ton

Kämpfte gegen die schlechte Klang: Die Berliner Sängerin Sarah Kaiser bei ihrem Auftritt in der Homberger Christus-Epheta-Kirche am Sonntagnachmittag.   Foto: Köthe

Homberg. Elektronisch verstärkte Musik und Kirchenraumakustik sind wirklich nicht die allerbesten Freunde. Da bedarf es schon eines professionellen Vermittlers, der die glatten Wände und den Mangel an schallschluckenden Reflektoren in den hohen Altarräumen mit einer guten Tonanlage und einem fundiertem Wissen zu beherrschen weiß.

Gelingt dies nicht, so hat man, wie die Jazzsängerin Sarah Kaiser und ihre Band am Sonntagnachmittag bei ihrem Konzert in der Homberger Christus-Epheta-Kirche, einfach nur gelitten.

Manchmal krachte und knackte es so gefährlich in den Lautsprecherboxen, dass so mancher Zuhörer schon Deckung im hinteren Teil des Raumes suchte. Die Abmischung der Bassfrequenzen war ärgerlich, die Lautstärke unangebracht und die solistische Soundbearbeitung von wenig Sensibilität geprägt.

Erfahrung und Leidenschaft

Doch nun genug gemeckert. Denn dass trotz dieser Unzulänglichkeiten die charismatische Vocaldompteuse aus Berlin ihr interessantes, von warmer Religionsromantik durchtränktes, Songmaterial professionell präsentierte, zeugte von viel Erfahrung und Leidenschaft. Wer es schafft, Texte des bekannten Kirchenlieddichters Paul Gerhardt (1607 bis 1676) im ICE des Jazz mitfahren zu lassen, ohne gleich wegen Lüftungsschwierigkeiten ausgezählt zu werden, der muss schon einiges an Kompetenz auf die Schiene bringen.

Soll heißen, dass die Sprachform, der Inhalt und die Intention dieser Bekenntnispoesie aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und der Reformation sich nicht gerade aufdrängt, um in der synkopischen Moderne ihr Echo zu finden. Doch Sarah Kaiser versteht es zwischen den Songs zu erklären, was sie bewog, dieses Projekt unter dem Titel „Gast auf Erden“ auf CD und in Konzerten zu realisieren.

Zeitlos seien die Themen, elegant formuliert und mit emotionaler Durchschlagskraft versehen. Und das wirkte nicht so, als müsse sie für Bibel-TV gerade mal ihre Werbung abliefern. Dass sie zu einer der besten deutschen Pop- und Soulstimmen gehört, ist unbestritten.

Wenn auch durch die oben beschriebenen Engpässe manche Gesangslinie ein wenig den Glanz vermissen ließ. Ihr eingespieltes Trio agierte etwas desinteressiert. Pianist Samuel Jersak und Martin Simon am Bass arbeiteten solide, ohne sich mit der Suche nach Brillanz zu beschäftigen. Drummer Martin Rott gab den coolen, etwas gelangweilt wirkenden Jungstar, der das alles mal so auf einer Backe abspielt.

Begeisterungsfähige Zuhörer

Die altersmäßig völlig durchmischte Gästeschar unterstützte die Band, wo es ging und erwies sich bei dem gelungensten Song des Abends „Wir sind Gottes Kinder“ als engagiertes und begeisterungsfähiges Publikum. So gab es großen Applaus für ein Liedprogramm, dass sich viele auf CD mit nach Hause nahmen, um es dann richtig genießen zu können.

Von Andreas Köthe

Quelle: HNA

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