Job mit guter Aussicht

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In luftiger Höhe: Die polnischen Monteure eines deutschen Subunternehmers entrosten die mehr als 60 Jahre alten Strommasten und tragen eine Schutzfarbe auf.

Wolfhagen. Das ist kein Job für Angsthasen. Die Männer, die derzeit im Wolfhager Land bis in die Spitzen der Strommasten klettern und dort die Metallkonstruktion pflegen, lassen sich weder von Kälte noch von Regen aus dem Konzept bringen, sind leistungsfähig und jung.

Denn der Beruf erfordert nicht nur Schwindelfreiheit, sondern vor allem körperliche Fitness.

Werkzeug und Eimer mit Farbe schleppen sie vom Boden bis nach oben. Unterstützung durch einen Kran gibt es nicht. In Deutschland findet man kaum noch Arbeiter, die zu solchen Strapazen bereit sind. Auf den Masten des Wolfhager Landes, auf denen die Korossionsschutzarbeiten in vollem Gange sind, wird polnisch gesprochen.

Die Monteure arbeiten für eine der wenigen deutschen Leitungsbaufirmen. „Allesamt qualifizierte Leute“, sagt Michaela Fiedler von der E.on Netz GmbH. Und sie macht auch deutlich, dass der Job ganz besondere Anforderungen stellt. „Die müssen nicht nur klettern können, sie müssen dabei auch noch arbeiten.“

Und so sieht man bis zu vier Arbeiter in einem der 20 bis 30 Meter hohen Masten, die einen großen silbernen Farb-Bottich am Haken haben und mit einem Pinsel mit langem Stiel die zuvor entrosteten Stellen streichen. Stehend, liegend, halb hängend und immer mit einem Sicherheitsgeschirr doppelt gesichert.

Von Waldeck kommend haben sie sich in Richtung Wolfhagen vorgearbeitet, sagt Michaela Fiedler. Gut zwei Wochen werden die Männer noch im Altkreis zu tun haben, dann werden sie auf einer gut 30 Kilometer langen Strecke genau 82 Metallmasten vom Rost befreit und flott bis zum nächsten Einsatz gemacht haben.

In regelmäßigen Abständen werden die Konstruktionen unter die Lupe genommen. Wenn an einer Stelle die Konstruktion besonders angfressen sein sollte, wird die betroffene Strebe gegen eine neue ausgetauscht. Gute Pflege lohnt sich. Die Leitungen - dazu zählen die Stromversorger die Masten und die Leiterseile, also die Kabel - sind schon mehr als 50 Jahre alt. „Aus den End-Fünfzigern“, erklärt E.on-Sprecherin Fiedler. Bei entsprechender Wartung habe eine solche Leitung eine Lebensdauer von gut 80 Jahren. Ein neuer Mast koste etwa 50 000 Euro.

Wäre ein Erdkabel nicht die einfachere Lösung? Nein, sagt Fiedler, Freileitungen hätten klare Vorteile: Sie seien wartungsfreundlicher, Fehler könne man schneller orten und auch wesentlich schneller beheben, als bei Leitungen, die in der Erde verlegt sind.

Gute Aussichten also für die kletterfreudigen Masten-Monteure: Auf ihre Dienste wird man auch in Zukunft nicht verzichten können.

Quelle: HNA

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