Eiserne Hochzeit: Minna und August Rietze gehen seit 65 Jahren gemeinsam durchs Leben

Gutes Essen als Rezept fürs Glück

Feiern heute Eiserne Hochzeit: Minna und August Rietze. Foto: Hoffmann

Zierenberg. Es ist das gute Essen seiner Frau Wilhelmine, das August Rietze spontan als Rezept für 65 Jahre glückliche Ehe nennt. Die Weihnachtspute etwa, mit der sie jahrzehntelang die gesamte Familie verwöhnt hat. Wenn er im Vorfeld der heutigen Eisernen Hochzeit etwas genauer darüber nachdenkt, findet er aber noch weitere Gründe. „Gemeinsam die Zeit genießen“, sagt er, sei besonders wichtig, und das haben die zwei Zierenberger immer getan, seit sie sich am 12. Oktober 1946 das Ja-Wort gegeben haben.

Dabei war es anfangs vor allem die Freundin seiner heutigen Frau gewesen, auf die es der am 10. Oktober 1924 geborene August Rietze abgesehen hatte. Mittlerweile in Grebenstein lebend, aber noch häufig in Zierenberg zu Besuch, entflammte sein Herz dann doch schnell für seine „Minna“.

Krieg trennte das Paar

Das junge Glück noch ganz frisch, führte der Krieg den jungen Ehemann nach Russland und Frankreich. Mehrfach verwundet kam er im November 1944 in ein Lazarett nach Leitmeritz, danach in amerikanische Gefangenschaft, aus der er am 21. Mai 1945 entlassen wurde. Schnell zog es ihn zurück in die Heimat, wo er schon zwei Tage später seine Frau wieder in die Arme schloss. Fortan gingen sie gemeinsam durchs Leben. Minna, am 7. Januar 1925 geboren, hatte nach der Heirat zunächst bei ihren Eltern gewohnt, folgte ihrem Mann aber 1948 nach Grebenstein. Dort hatte er die Schule besucht und eine Ausbildung zum Müller mit späterem Meisterabschluss gemacht. Fünf Jahre dauerte es, bis sich das junge Paar endgültig wieder in seiner Geburtsstadt niederließ, wo August in der örtlichen Molkerei Arbeit fand. Es folgte eine zweijährige Tätigkeit bei Henschel in Kassel, bevor er 1957 seine Laufbahn bei der Post begann.

Trotz der Arbeit fand sich immer Zeit für ehrenamtliches Engagement. Als Stadtverordneter prägte er die Entwicklung seiner Heimat mit, ist seit 55 Jahren Mitglied in der Feuerwehr und sein besonderes Engagement galt dem VdK, dessen Ortsgruppe er mehr als drei Jahrezehnten als Vorsitzender zur Seite stand, 15 Jahre war er auch im Kreisvorstand aktiv.

Versehrtensportler

Gemeinsame Leidenschaft des Paares war der 1972 gegründeten Zierenberger Versehrten- und Behinderten-Sportverein. Engagement, das nicht unbelohnt bleiben sollte. 1992 erhielt Rietze den Landesehrenbrief, 2004 den Bundesverdienstorden.

Auch Ehefrau Minna musste auf Auszeichnungen nicht verzichten, ist durch ihre Leistungen im Kegeln sportliches Aushängeschild der Familie: fünf deutsche Meisterschaften und 34 hessische Landestitel, das will erstmal nachgemacht werden.

Wenn sie heute, geistig und körperlich rüstig, mit ihren Gästen auf die glücklichen Jahre zurückblicken, dann werden sicher auch von den drei Söhnen, sechs Enkeln und vier Urenkeln einige nach dem Rezept für 65 Jahre glückliche Ehe fragen.

Und ganz sicher wird August Rietze dann mehr einfallen, als nur die gute Küche seiner Minna.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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