Fahrangebot soll ausgeweitet werden

Unterwegs im Bürgerbus in Guxhagen: Für viele ist er nicht wegzudenken

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Mit dem Bus zum Sport: Brunhilde Grunewald aus Grebenau lässt sich jeden Mittwoch zum Sport im Ortskern fahren. Einer der elf Fahrer ist Wolfgang Eberth aus Büchenwerra. Der 74-Jährige fährt den Bus jeden zweiten Mittwoch – alle Fahrer arbeiten ehrenamtlich.

Guxhagen. In vier Kommunen im Kreisteil Melsungen gibt es Bürgerbusse. In Guxhagen soll das Fahrtangebot jetzt ausgeweitet werden. 

So sollen auch Fahrten zu Ärzten in Nachbargemeinden möglich sein. Wir waren einen Vormittag mal mit an Bord des Busses. Als der weiße Bus um die Ecke biegt, wartet Brunhilde Witte bereits vor der Haustür. „Wolfgang, bringst du mich kurz zur Bank und dann zur Apotheke?“, fragt sie beim Einsteigen. „Abholen brauchst du mich nicht. Ich laufe. Schließlich will ich nicht einrosten.“

Die 80-Jährige ist eine von über 30 Nutzern des Guxhagener Bürgerbusses. Seit 2011 fahren ehrenamtliche Fahrer – zu denen auch Wolfgang Eberth gehört – die Einwohner der Fuldagemeinde von A nach B. Eine einfache Fahrt, wie die von Brunhilde Witte, kostet einen Euro. Erst vor einigen Tagen hat das Parlament beschlossen, dass künftig auch Fahrten außerhalb des Gemeindegebiets angeboten werden. Guxhagener und Ortsteilbewohner sollen so auch Ärzte in Körle, Dörnhagen, Neuenbrunslar und Grifte erreichen. „Das wird die Organisation der Fahrten dann schwieriger machen“, sagt Wolfgang Eberth.

Fahrer ist auf dem Handy zu erreichen

Wer mal mit im Bus saß, weiß genau, was er meint. Auf Eberths Liste für die Mittwochsfahrt stehen fünf Namen von Guxhagenern, die zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeholt werden wollen. Erst bei der Abholung erfährt der Rentner, wohin die Fahrt gehen soll. Und die meisten Mitfahrer wollen oder können nach den Erledigungen nicht nach Hause laufen, so wie Brunhilde Witte. Sie müssen wieder abgeholt und nach Hause gefahren werden. Unter einen Hut zu bekommen, wer wann wo abgeholt werden muss, setzt gutes Zeitmanagement voraus. „Einmal habe ich vergessen, jemanden wieder abzuholen“, verrät er. Für solche Fälle und wenn der Abholzeitpunkt offen ist, kann man den Fahrer auch auf dem Handy erreichen.

An diesem Mittwoch ist der Weg nach Albshausen zu Leo Schramowski der längste. „Und wie geht’s euch?“, fragt Eberth, als er ihn an der Haustür abholt. Das Verhältnis erscheint so vertraut, als habe Schramowski einen guten Freund gebeten, ihn abzuholen und zur Post zu fahren. Selbst Auto fahren kann der 83-Jährige nicht mehr. „Mein Auto steht vor der Tür. Aber es geht mit den Augen nicht mehr. Der Bürgerbus ist nicht mehr wegzudenken.“

Als Wolfgang Eberth den 83-Jährigen mit seinem Paket unter dem Arm an der Poststraße abgesetzt hat, geht’s direkt wieder auf die andere Fuldaseite – zig Mal fährt der Bus an diesem Vormittag über die Fuldabrücke. Beim Physiotherapeuten wartet schon Renate Bischoff. Die 71-Jährige war an diesem Tag die erste Kundin, die Eberth zuhause abgeholt hatte. „Jetzt noch zum Neukauf bitte“, sagt sie. Sie habe keinen Führerschein. Seit dem Tod ihres Mannes, der das Auto gefahren ist, sei sie deshalb nicht mehr so mobil. „Immer Nachbarn oder Bekannte zu bitten, mich zu fahren, ist auch blöd.“ Und im Bürgerbus säßen ja auch andere nette Damen, mit denen man schnuddeln könne. „Und die netten Fahrer natürlich.“

Der Bürgerbus sei das beste, was es in Guxhagen gebe, bringt es Brundhilde Witte auf den Punkt. „Ich fahre bestimmt vier Mal die Woche mit. Ich wüsste gar nicht, wie ich mit schweren Einkaufstaschen den Berg hochkommen sollte.“ Beim Taschentragen helfen die Fahrer gern. So endet auch Renate Bischoffs Fahrt mit dem Bürgerbus an diesem Tag erst, als Wolfgang Eberth ihr die Einkaufstaschen vor der Haustür abgestellt hat.

Alternativen zum Bürgerbus

Gäbe es keinen Bürgerbus in Guxhagen, dann gäbe es folgende Alternativen für diese beiden Bürgerbus-Nutzer:

Leo Schramowski (Weidenweg in Albshausen bis Poststraße im Ortkern Guxhagen): Gäbe es keinen Bürgerbus, müsste Schramowski ein Taxi oder die Buslinie 56 nehmen. 250 Meter Fußweg sind es bis zur Haltestelle Söhrestraße. Der Bus fährt bis Zur Linde. Von dort sind es wenige Schritte bis zur Post. Problematisch ist die Rückfahrt: Die Linie fährt erst eineinhalb Stunden später zurück. Laut KVG ist die Anmeldung für ein Anruf-Sammel-Taxi möglich. Allerdings fährt das ab dem Bahnhof, der nur durch einen steilen Fußweg vom Ortskern erreichbar ist.

Renate Bischoff (Weserring in Guxhagen bis Physiotherapie Ulzheimer, Fitnessstudio Blu): Bischoff könnte mit dem Bus 56 ab der Lohstraße fahren, das sind 400 Meter Fußweg. Aussteigen müsste Bischoff an der Robert-Bosch-Straße und von dort zu Fuß gehen (knapp 500 Meter). Das größte Problem ist angesichts der 2-Stunden-Bustaktung der Rückweg. Läuft sie den Weg über die Brückenstraße sind es 1,6 Kilometer.

Angebote im Kreisteil in der Übersicht

Guxhagen (seit 2011): Radius: Guxhagen und Ortsteile, Ärzte in Körle, Dörnhagen, Grifte, Neuenbrunslar; Fahrer: 11; Zeiten: montags, mittwochs, freitags 9 bis 12 Uhr, dienstags, donnerstags 14 bis 17 Uhr; Kosten: Einfache Fahrt 1 Euro; Nutzer 2018: etwa 32; Fahrten 2018: 1282; Kilometer 2018: 9834: Anmeldung: Tel. 05665/949915. 

Malsfeld (seit 2002): Radius: Malsfeld und Ortsteile sowie Arzt in Morschen; Fahrer: 8; Zeiten: montags, dienstags, donnerstags und freitags zwischen 9 und 12 Uhr; Kosten: Einfache Fahrt 1 Euro; Anzahl der Nutzer 2018: 30; Fahrten 2018: 730; Kilometer 2018: 3500. Anmeldungen managt Michael Gießler, Tel. 05661/500281. 

Morschen (seit 2012): Radius: Morschen und Ortsteile; Fahrer: 5; Zeiten: dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 8.30 bis 11.30 Uhr; Kosten: Einfache Fahrt 1 Euro; Anzahl der Nutzer 2018: etwa 30; Fahrten 2018: 433; Kilometer 2018: 1764. Anmeldung bei der Gemeindeverwaltung, Tel. 05664/94940.

Körle (seit 2000): Radius: Körle und Ortsteile; Fahrer: 8; Zeiten: Mo, Mi, Fr 8.30 bis 12 Uhr; Kosten: Einfache Fahrt 0,75 Euro; Anzahl der Nutzer 2018: 55; Fahrten 2018: 2372;  Kilometer 2018: 7041; Anmeldung: Tel. 05665/949818. 

Spangenberg: Der Katharinenverein bietet jeden Dienstag Busfahrten mit dem Katharinenmobil an. Im wöchentlichen Wechsel geht es zur Tafel und zum Einkaufen. Die Hin- und Rückfahrt der Einkaufstour kosten insgesamt fünf Euro pro Person. Anmeldung: Dennis Bierwirth, Tel. 0151/61885743.

Hinweis: Ehrenamtliche Fahrer werden in allen Orten gesucht. Es ist kein Personenbeförderungsschein nötig.

Quelle: HNA

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