Friseure sind verunsichert über EU-weite Jugendschutzauflage

Haare-Raufen über neue Färbe-Vorgaben

Schwalm-Eder. In Friseursalons herrschen Verwirrung und Unsicherheit. Grund dafür ist eine vor rund sechs Monaten erlassene EU-Richtlinie, die es Friseuren untersagt, Jugendlichen unter 16 Jahren wegen möglicher allergischer Reaktionen ohne Einverständnis der Eltern die Haare zu färben.

Es handle sich um einen Warnhinweis und nicht um ein Gesetz, betont Sarah Heeder-Himmelreich, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes Friseurhandwerk Hessen. Das würde die Situation aber nicht erleichtern, da Friseure trotz Einverständniserklärung der Eltern haften müssten.

„Uns ist das ursprünglich als Gesetzestext verkauft worden“, sagt Dirk Schaller aus Homberg, Obermeister der Friseurinnung Schwalm-Eder. Daraufhin hätten die Friseure Schilder aufgestellt, die auf das angebliche Verbot hinweisen. Allerdings habe der Einzelhandel nicht mitgezogen: Haarfärbemittel sind frei erhältlich.

„Das war ein Riesenwirbel“, sagt Schaller. Das schadete auch dem Geschäft: Die jungen Kunden hätten sich die Haare daheim gefärbt. Erst wenn das schief ging, waren die Friseure gefragt. Zudem boten einige Friseure weiter das Färben an. Wer kein Innungsmitglied ist, habe das angebliche Verbot schlicht nicht mitbekommen. Mittlerweile haben sich die Friseure der Innung gegen die EU-Richtlinie entschieden: Bei 15- und 16-Jährigen färbe man wieder, Jüngere schicke man weg.

Friseurmeister Marc Hussmüller setzt in seinem Salon in Schwalmstadt auf gegenseitiges Vertrauen: Wenn Eltern und Kind Farbe im Haar wünschen und man sich kennen, färbe er. Allerdings rate er zu schonenderen Verfahren bei denen man nicht bis auf die Kopfhaut gehe.

Auch bei „The Art of Hair“ in Melsungen beschränkt man sich bei unter 16-Jährigen auf solche Verfahren wie Foliensträhnen. Zudem gebe es bei Braun- und Rottönen natürliche Färbemittel. Beim Blond fehlen solche Alternativen: Hier geht es nicht ohne Chemie.

Von Magdalena Dräger und Göran Gehlen

Quelle: HNA

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