Das Familienunternehmen Möller bleibt seit 100 Jahren der Region treu

Sie haben den Durchblick

Immer noch ein Klassiker: Firmenchef Gerd Möller und Vertriebsleiter Thomas Klein vor einem Fenster in Holzoptik. Foto: Szamborzki

Kleinenglis. Am Anfang gab es nicht einmal einen Lieferwagen. „Fenster, Türen und Treppen wurden auf einem Handwagen von den Lehrlingen zur Baustelle gezogen“, berichtet Gerd Möller. In den 100 Jahren seit ihrer Gründung hat sich in der Firma Möller aus Kleinenglis einiges gewandelt.

„Die größte Veränderung war, als mein Vater sich 1968 entschied, als einer der ersten der Region Kunststofffenster zu bauen“, sagt Möller. Ein riskanter Schritt, denn die Firma war für ihre guten Fenster aus Holz bekannt. Aber die bessere Haltbarkeit von Fenstern aus PVC überzeugte. Heute beschäftigt Möller zwar immer noch Schreiner, verarbeitet aber gar kein Holz mehr.

Schon sein Urgroßvater Conrad Matthäus Möller stellte in Kleinenglis Fenster, Türen und Möbel her. Erstmals erwähnt wurde der Betrieb, als Conrad Möllers Ehefrau Anna 1911 die Schreinerei nach seinem Tod übernahm. Zwischen 1913 und 1955 leitete Gerd Möllers Großvater Eckhard die Firma.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Betrieb nur vier Mitarbeiter. Heute sind es 42. Möllers Vater Erich hatte die Firma seit 1961 kontinuierlich ausgebaut. Eine große Expansion ist dennoch nicht das Ziel von Gerd Möller. Er setzt lieber auf Qualität: „Dumpingpreise sind für uns unmöglich, wenn wir unser Niveau halten wollen.“

Die Nähe zu den Kunden ist Möller wichtig. „Auch wenn sie nur zwei Mal im Leben eine Haustür bei uns kaufen, weil die jeweils 30 Jahre hält.“

An Haustüren tüftelt der Schreinermeister besonders gern, weil sie viele Herausforderungen bieten. Das Ergebnis: Möller entwickelte mit seinen Mitarbeitern eine Tür, die besonders wenig Wärme aus dem Haus entweichen lässt.

Ein Wegzug aus Kleinenglis kommt für Gerd Möller selbst in schwierigen Zeiten nicht in Frage. Wie Anfang der 1980er-Jahre: Damals herrschte wegen Konjunktureinbrüchen eine Auftragsflaute in Nordhessen. In West-Berlin dagegen wurde der Wohnungsbau staatlich gefördert. „Da brauchten wir nicht lange überlegen“, sagt Gerd Möller. Von 1981 bis 1985 lieferte die Firma aus Kleinenglis 40 Prozent ihrer Produktion über die Transitstrecke nach Berlin. Nachdem die Lage in Nordhessen wieder besser wurde, zog sich Möller aus Berlin zurück.

Mit Gerd Möller wird im Familienbetrieb nach vier Generationen eine Ära zu Ende gehen, denn der Schreiner hat keine Kinder. „Aber die Firma wird in unserem Sinne weitergeführt.“

Von Friederike Szamborzki

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare