Sitzung des Ortsbeirats

Hähnchen sind in Seigertshausen im Anmarsch

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Landwirtschaftsbetrieb soll erweitert werden: Der geplante Maststall am Ortsrand von Seigertshausen bietet Platz für 30 000 Tiere und soll 20 mal 90 Meter groß werden. Unser Bild zeigt Hähnchen in einem anderen Stall.

Seigertshausen. Ungewöhnlich viele Zuhörer verfolgten am Donnerstagabend die Sitzung des Ortsbeirats in Seigertshausen.

Ortsvorsteher Gerhard George konnte rund zwanzig Bürger in dem kleinen Saal des Jägerhofs begrüßen. Im Zentrum des Interesses ein landwirtschaftliches Bauvorhaben am Ortsrand von Seigertshausen.

Worum ging es in der Veranstaltung?
Die Seigertshäuser Landwirtfamilie Dietz plant den Bau eines Hähnchenmaststalls. Der Ortsbeirat sollte zum Bauantrag Stellung beziehen.

Wo soll der Stall gebaut werden?
Laut Christopher Dietz soll der Stall rund 500 Meter vom Ortsrand entfernt - von Seigertshausen kommend in Richtung Obergrenzebach - in Nähe zum bestehenden Hof entstehen. Der Standort erfülle alle gesetzlichen Vorgaben, versicherte Dietz.

Wie groß soll der Stall werden?
Der geplante Maststall bietet Platz für 30 000 Tiere und soll 20 mal 90 Meter groß werden. Im Verhältnis entspreche das 66 Kühen, erklärte der 22-jährige Junglandwirt: „Der Stall ist sogar fünf Meter länger als gefordert.“

Warum möchte der Landwirt überhaupt bauen?
Zurzeit betreibt Familie Dietz in Seigertshausen einen Milchviehbetrieb und Ackerbau. Allein mit Milch könne man den Fortbestand des Hofs nicht sichern und sei daher auf der Suche nach einem zweiten Standbein gewesen, sagte Christopher Dietz am Donnerstag: „Man muss sich in Zukunft breit aufstellen. Hähnchen isst jeder.“

Gibt es Bedenken zu dem Vorhaben?
Ja. Um ein breites Meinungsbild zu bekommen, ließ Ortsvorsteher Gerhard George Fragen aus den Reihen der Zuhörer zu. Die Mehrzahl der Anwesenden, darunter auch einige Zugezogene, äußerte Vorbehalte gegen das Projekt. Neben der Geruchsbelästigung spielte in der Diskussion auch die Wertminderung der eigenen Immobilie eine Rolle. Diese könne bis zu 30 Prozent betragen, gab ein Mann zu bedenken.

Wolfram Bauer wiederum machte sich Sorgen um mögliche gesundheitliche Gefahren. In der ungefilterten Abluft des Stalls müsse man mit toxischen Stoffen, Feinstäuben und Biotoxinen rechnen, sagte der Seigertshäuser und verwies auf wissenschaftliche Untersuchungen. Solch ein Objekt könne die Attraktivität des Dorfes als Wohnstandort gefährden, so Bauer weiter: „Keine junge Familie würde in ein solches Dorf ziehen.“

Konnten die Bedenken ausgeräumt werden?
Nein. Christopher Dietz gelang es nicht, alle Zweifel zu zerstreuen. Die von Dietz im Zuge des Bauantrags eingeholten Gutachten konnten die Kritiker nicht überzeugen. Durch die niedrige Anzahl der Tiere würde der Landwirt bewusst ein öffentliches Gutachterverfahren und Bürgerbeteiligung umgehen, meinte Wolfram Bauer.

Was sagte der Ortsvorsteher?
Die Familie Dietz sei einer der wenigen landwirtschaftlichen Betriebe im Ort, erklärte Gerhard George: „Man muss sich überlegen, ob man ein Dorf ohne Landwirte will.“

Wie wird es jetzt weitergehen?
Der Ortsbeirat vertagte die Entscheidung. In den kommenden Wochen soll auf einer Bürgerversammlung über den Hähnchenmaststall informiert werden.

Christopher Dietz nahm die Entscheidung gelassen: „Ich setze mich nicht unter Druck.“

Quelle: HNA

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