Medienkonsum ein Grund

Hälfte der Kita-Kinder hat Sprachprobleme: Defizite auch bei Muttersprachlern 

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Kindergärten im Schwalm-Eder-Kreis beklagen die Sprachkompetenz: Brigitte Michelbach, Nele Zinn und Maja Kansy beim Sprachspiel.

Schwalm-Eder. Die Hälfte der Kinder hat Sprachprobleme, wenn sie in den Regelkindergarten kommen. 20 Prozent davon benötigen professionelle Hilfe durch einen Logopäden. Das betrifft nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund, sondern auch Muttersprachler.

Das sagt die Leiterin des Kindergartens im Osterbach in Homberg, Anja Hassenpflug. Karin Wagner, Leiterin des Jugendamtes des Landkreises, bestätigte diesen Trend.

Es zeige sich schon länger, dass der Anteil der Kinder wächst, die Verzögerungen in der Sprachentwicklung und Auffälligkeiten im Sprechen zeigen, und zwar nicht nur bei Kindern aus Migrantenfamilien, sondern auch bei denen aus deutschsprachigen Familien. Anja Hassenpflug berichtet, dass dies vor einem Jahrzehnt nur einen kleinen Teil der Kinder betroffen habe.

Eine Erklärung für die Sprachprobleme sei, dass in den Familie immer weniger gesprochen werde. Die Angebote durch Fernsehen und Medien seien auch in dem Alter zu groß, meint Hassenpflug.

Schweregrad nimmt zu 

Das bestätigt auch die Homberger Logopädin Ulrike Bachmann. Die Zahlen der Krankenkassen belegten die Zunahme der Sprachprobleme im Kleinkindalter. Auch die Symptome und der Schweregrad der Störungen nehme zu. Sie glaubt, dass neben organischen Ursachen der frühe Konsum der Medien, zu wenig Kommunikation in der Familie und Entwicklungsstörungen im motorischen Bereich dafür verantwortlich sind.

Kinder, die Sprachprobleme haben, seien gefährdet, eine Lese- und Rechtschreibschwäche zu entwickeln. Ziel ist es laut Karin Wagner, die Sprachentwicklung in den Kindertagesstätten intensiver zu begleiten und zu fördern. Zum beispiel gebe es ein Kindersprachscreening für vierjährige Kinder in allen Einrichtungen.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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